Mittwoch, 27. Januar 2010

Thekentänzer (24)

Duisburg?

Die linke der beiden Frauen wird anstrengend, das ist schon beim Reinkommen klar.
„Na, Schatzikellner, wat ziehst du denn fürn Gesicht? Biste ganz alleine hier?“
Über den bröckeligen Wimpern trägt sie einen blonden Dutt – Bergheimpalme sagte man da früher für.
„Wat is, redest du nich mit jedem?“
Und dann fängt es draußen an zu schneien, und die Chancen schwinden, dass so bald noch jemand kommt. Die Frauen sitzen an der Theke und unterhalten sich über ihre Kinder. Beide sind alleinerziehend und haben mit ihren Männern offenbar arge Nieten gezogen. Die Verhaltensauffällige spricht jedenfalls von ihrem Klaus nie ohne den Nachsatz „der Arsch“. Ihre Freundin muss schon nach dem ersten Kölsch zur Toilette.
„Ist das nich toll, so nette Gäste zu haben?“
„Hmm.“
„Früher ham sich die Kellner noch um Damen gekümmert, die allein in der Wirtschaft saßen.“
„Ja, was kann ich denn für dich tun?“
„Hoho, jetzt pass aber mal gut auf, du Rangeher!“
Vorhin beim Dönertürken lief ein Reklamekanal. Zuerst ging es um Pistolen. Der Mann zielte mit beiden Händen auf einen imaginären Feind, dann drehte er sich zackig um neunzig Grad und hielt voll auf die Kamera drauf. Der nächste Spot handelte dann von genoppten Hausschlappen. „Die sind prima für die Durchblutung der Fußsohlen“, sagte die Offstimme vermutlich. Aber war ja alles auf Türkisch.
„Sind die Mädels da öfters hier?“ fragt Jerôme. Auf seinem Mantelkragen schmilzt der Schnee.
„Wenns nach mir geht, nicht.“
„Egal, pass auf: Wenn du dir das nächste Mal einen hobelst, dann setzt du dich vorher so lange auf deine Hand, bis die eingeschlafen ist.“
„Okay, mach ich. Aber wieso?“
„Weil man dann echt denkt, es wär jemand anders!“
Irgendwo in der Stadt blökt das erste Martinshorn. Der reflektierende Schnee verstärkt die Rot- und Gelbtöne der Kneipenlichter. Im Regal klafft eine Lücke, irgendwer hat tatsächlich diesen Himbeer-Obstler allegemacht.
„Herr Kaschemmenwirt! Wir nähmen dann noch zwei Bud, wenns recht ist“, ruft die Bergheimpalme.
„In Duisburg wohnt der jetzt, in Duisburg!“ empört sich ihre Freundin.
Die Bergheimpalme nimmt die beiden neuen Flaschen entgegen und berührt dabei meine Finger. Sie streicht sich eine Strähne ihres aufgelösten Dutts hinters Ohr und zieht sich eine weitere rote Gitanes aus der Packung. Und bevor sie das Streichholz anzündet, sagt sie etwas frappierend Originelles, nämlich:
„Gibt es das noch, Duisburg?“


Wer diese Kolumne zukünftig jeden Mittwoch zugeschickt bekommen möchte, schreibe eine Mail an thekentaenzer@netcologne.de, Stichwort: Die Köln-Kolumne.

Mittwoch, 20. Januar 2010

Coloniales (28)

Die Stadt, der Müll und die Eimer

Die Müllabfuhr hat ihre Abholtage geändert. In Köln geschieht dies etwa alle zwei Monate, und jedesmal sprechen die zuständigen Stellen dann von Optimierung oder, wenn sie sich wenigstens ein bisschen schämen, von Anpassung. Gerne wird bei solchen Gelegenheiten auch auf die stupende Logik und Transparenz hingewiesen, die das Kölner Müllsystem angeblich auszeichnet. Es ist dermaßen transparent, dass die Hausbesitzer nun wieder jeweils sonntagsabends all ihre Mülleimer an die Straße stellen und dann täglich nachsehen, wann das Ding endlich geleert wurde. Danach ist zumindest bis zum nächsten Sonntag wieder Ruhe.
Das Verrückteste sind die orangen und grünen Wochen, die zudem in den Varianten hell und dunkel auftreten. Es gibt also farbige Mülleimer, und die 14-täglichen Abholwochen dieser Mülleimer wurden ebenfalls nach Farben benannt. Nach anderen Farben als die der Abfallbehälter wohlgemerkt! Wenn diese Heinis die Wechselwochen nach Flüssen benannt hätten. Oder nach Fußballvereinen. Oder meinetwegen nach Fluggesellschaften, Obstsorten oder Krankheiten. – Dann hätte ich vielleicht nichts gesagt, vielleicht sogar den ganzen Irrsinn irgendwann verstanden. So jedoch entschied ich mich dafür, einmal nachzufragen. German T. Oilette, Vorstandssprecher der Abfallgesellschaft, ist jedoch über jede Kritik erhaben und erklärt:

„Wer unser System nicht versteht, ist selber schuld. Die Sache ist nämlich eigentlich ganz einfach: Es gibt vier Arten von Tonnen: graue, blaue, gelbe und braune. Im Abholkalender finden diese Tonnen ihre Entsprechung in der weißen, grünen, orangen und schwarzen Woche. Jede Tonne hat ihren bestimmten Abholtag, und anhand der bunten Wochen sind auch jene Tonnen kalkulierbar, die nur vierzehntäglich abgeholt werden. Auch die – wenigen – Verschiebungen sind klar geregelt: Sie ergeben sich beispielsweise durch Feiertage und wenn der FC ein Heimspiel oder der Dezernent Schluckauf hat. Fällt dann etwa eine blaue Tonne in eine orange Woche, während die graue noch vor der Tür und die braune im Garten steht, wird die orange automatisch zur grünen Woche, wodurch logischerweise Regelfall weiß den schwarzen ersetzt.“

So sieht es also aus!




Der Text stammt zum Teil aus: Bernd Imgrund: Ölle. Die Stadt am Niehr.
Wer diese Kolumne zukünftig jeden Mittwoch zugeschickt bekommen möchte, schreibe eine Mail an thekentaenzer@netcologne.de, Stichwort: Die Köln-Kolumne.

Mittwoch, 13. Januar 2010

Momentaufnahmen (8)

„Dat jitt et nit!“

Pommesbude, irgendwo im Gewerbegebiet
Döner-Esser: „Hast du schonmal Blessbock gegessen?“
Currywurst-Esser: „Blessbock?“
Döner-Esser: „Genau, dat is ne südafrikanische Spezialität.“
Currywurst-Esser: „Ach, dat is ´n Tier!“
Döner-Esser: „Also haste echt noch nie gegessen?“
Currywurst-Esser: „Nee, aber jetzt, wo du´s sagst ...“
Döner-Esser: „Was denn?“
Currywurst-Esser: „Ich hab mal indonesisches Bier getrunken.“

Kinofoyer, Ringe
Zwei Typen um die 40 studieren die auf den Einlass wartenden Frauen:
Erster Typ: „Boah, sieht die geil aus!“
Zweiter Typ: „Welche jetz?“
Erster Typ: „Die Hollywoodbraut da hinten. Die mit den Augen.“
Zweiter Typ: „Also echt nicht. Also da nehmen wir mal so klassische Divas, ja? So Ava Gardner oder Vivian Leigh oder Grace Kelly oder so. Die brauchen für einen Augenaufschlag gefühlte 30 Minuten.“
Erster Typ: „So what?“
Zweiter Typ: „Naja, und jetzt kuck dir nochmal deine an.“

Kneipe, Nordstadt
Älterer Gast: „Also der Adriano Celentano, der is für mich immer ´n Thema.“
Jüngerer Gast: „Komisch.“
Älterer Gast: „Wieso?“
Jüngerer Gast: „Du siehst eher aus wie´n Heinz-Rudolf-Kunze-Double.“

Werkzeugladen, Klettenberg
Kunde: „Ich hätte gern einen von den Klemmringen da.“
Verkäuferin: „Und sonst noch was?“
Kunde: „Nein danke, nur den Klemmring.“
Verkäuferin: „Ich gebe Ihnen zehn davon.“
Kunde: „Was?“
Verkäuferin: „Ja, zehn. Wir haben hier eine Mindestabnahme von zwei Euro.“
Kunde: „Ich will aber keine zehn Klemmringe! Ich brauche nur einen.“
Verkäuferin: „Dann kriegen Sie einen, aber für zwei Euro.“
Kunde: „Auf Wiedersehen.“

Schlange vor der Lidl-Kasse, Raderberg
Steinalte Frau, nachdem es länger nicht voran ging: „Ja jitt et dat?“
Ihr steinalter Mann: „Dat jitt et nit!“
Jemand bezahlt, die Schlange rückt ein Stückchen vor. Die Greisin beginnt, ihre Waren aufs Band zu legen, das jedoch in diesem Moment anspringt. Zwischen dem Blumenkohl und den Taschentüchern klafft nun eine meterlange Lücke.
Steinalte Frau: „Ja jlöuvste dat?“
Steinalter Mann: „Dat jlöuv m´r nit!“
Als die beiden endlich bei der Kasse anlangen, ist das Etikett vom Eierlikör zu zerkratzt für den Scanner. Die Kassiererin tippt den Barcode ein.
Steinalte Frau: „Ja jitt et dat?“
Steinalter Mann: „Dat jitt et nit!“

Mittwoch, 6. Januar 2010

Thekentänzer (23)

Kultimulti

Der frühe Vogel fängt den Wurm. – Aber was fängt der frühe Trinker? Für Viertel nach 8 wirkt dieser junge Mann bereits ziemlich derangiert, die Mundwinkel seines Schweinegesichts hängen ihm bis zur Kinnlade runter.
„Manchmal, wenn mir langweilig ist, zappe ich mich durch die Dateien meiner Nachbarn“, sagt er.
„Ich bin Computer-Legastheniker“, antworte ich.
„Naja, wir haben WLAN im Haus, und die benutzen alle kein Passwort. Also kann ich mich da reinklinken.“
„Und dann guckst du dir die gespeicherten Pornobildchen vom Papa an?“
„Genau, oder ich lese Tagebuch.“
Der Schweinsgesichtige saugt an seiner Flasche und bestellt einen Tequila.
„Findest du das nicht, sagen wir mal: unanständig?“ frage ich.
„Nein“, sagt er und hängt – eine Tonlage tiefer – an: „Für Skrupel bin ich zu alt, verstehste!“
Zum Glück sind inzwischen drei weitere Gäste erschienen. Vor allem die blonde Osteuropäerin mit dem Pelzmäntelchen und dem Puppengesicht scheint den Abend wieder aufs richtige Gleis zu lenken.
„Du Chef hier?“ fragt sie.
„Nein“, sage ich, „wieso?“
„Weil du siehst aus wie eine Chef.“
Tolle Frau, also wirklich. Ihr Broken German erinnert mich an die Szene aus der Dönerbude, kurz vor der Kellnerschicht: Zwei junge Araber, ein alter Türke. Die Arabs unterhalten sich in einer Sprache, die nur aus Rachenlauten zu bestehen scheint. Der Türke hört grimmig zu, geht schließlich zu ihrem Tisch und redet Türkisch auf sie ein: Irgendwas mit vielen ö´s und ü´s, und ohne Punkt und Komma.
Bald sind auch die Jungs sauer: „Ich spreche nix Türkisch, verpiss dich“, sagt der eine.
„Und ich sprechen nix Arabisch“, sagt der Alte, wirft den zweien einen weiteren bösen Blick zu und dackelt zurück zu seiner Linsensuppe. Echt kultimulti, dieser Laden.
Der Kerl in der Kneipe hat unterdessen einen weiteren Tequila geordert und spinkst so schief wie auffällig zu der kleinen Osteuropäerin rüber. „Life is short“, singt irgendwer auf der Mix-CD, „but by the grace of God, the night is long.” Schöner Spruch, aber was bedeutet das für einen Kellner?
Vor dem Fenster laufen die beiden Araberjungs von vorhin vorbei. Beide beißen die Deckel ihrer Beckspullen mit den Zähnen ab. Die Osteuropäerin zahlt nach dem zweiten Kölsch und gibt mir zum Abschied die Hand. Der Schweinsgesichtige sieht mich an wie der Türke die Arabs.
„Sag mal, in echt jetzt, Kollege: Ab wann is in deiner Bude eigentlich mal was los oder so?“ fragt er.
„Wieso?“ frage ich zurück. „Ist dir langweilig?“


Wer diese Kolumne zukünftig jeden Mittwoch zugeschickt bekommen möchte, schreibe eine Mail an thekentaenzer@netcologne.de, Stichwort: Die Köln-Kolumne.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Thekentänzer (22)

Mann und Frau

Tonja: Ist irgendwas?
André: Was soll denn sein.
Tonja: Irgendwas ist doch.
André: Gar nichts ist.
Tonja: Warum kuckst du denn schon wieder so sauer?
André: Ich kucke sauer?
Tonja: Ja, sauer.
André: Ich kucke nicht sauer. Ich habe einen harten Tag hinter mir.
Tonja: Ich auch.
André: Was soll das überhaupt heißen, "sauer"?
Tonja: Na, sauer eben.
André: Zitronen sind sauer, junge Trauben. Geht es vielleicht ein bisschen präziser?
Tonja: Jetzt gibt er schon wieder den Oberlehrer.
André: Es gibt keine Oberlehrer mehr. Und wer ist überhaupt "er"?
Tonja: Na, du halt.
André: Dann sag doch auch "Du", wenn du mit mir über mich redest.
Tonja: Ich rede gar nicht über dich. Aber du. Du redest schon wieder über dich.
André: Ich dachte, ich habe sauer gekuckt.
Tonja: Hast du auch. Aber über mich.
André: Was?
Tonja: Sauer über mich. So war es doch.
André: Aha. Um dich soll es also wieder gehen. Immer verdreht sie einem das Wort im Mund.
Tonja: Jetzt hast du auch "sie" gesagt.
André: Na und. Du doch auch.
Tonja: Nein, "er". Nicht "sie".
André: Du willst diesen deinen von dir gestarteten Disput ins Lächerliche ziehen.
Tonja: Du hast damit angefangen.
André: Und was meinst du mit "schon wieder"?
Tonja: Was?
André: "Schon wieder" hast du gesagt. Ich würde "schon wieder" so sauer kucken.
Tonja: Hast du auch.
André: Und auch noch "schon wieder", was?
Tonja: Das erste Mal wars jedenfalls nicht.
André: Seit wann?
Tonja: Sagen wir, seit heute morgen.
André: Heute morgen bin ich um Sieben aus dem Haus.
Tonja: Und hast sauer gekuckt.
André: Ja, warum wohl.
Tonja: Weil dein Ei zu hart war?
André: Quatsch!
Tonja: Weil der Kaffee zu dünn war?
André: Quatsch!
Tonja: Warum dann?
André: Gar nicht. Ich habe nicht sauer gekuckt, und wenn ich dieses schwammige Wort noch einmal höre, werde ich stink...
Tonja: Come on, come on!
André: ...wütend.
Tonja: Ich bin auch wütend.
André: Nein, du bist sauer. Zu dir passt das.
Tonja: Jetzt wirst du ausfallend.
André: Aha. Endlich mal ein klares Wort.
Tonja: Ausfallend. Weil du das nicht hören willst.
André: Was nicht hören?
Tonja: Daß ich wütend bin. Und warum.
André: Red nicht so laut.
Tonja: Ich rede so laut ich will.
André: Das hört doch jeder.
Tonja: Na und, kann auch jeder hören.
André: Noch ein lautes Wort, und ich gehe.
Tonja: Geh doch. Du bist ja verklemmt.
André: Da haben wirs wieder.
Tonja: Du bist wie dein Vater.
André: Die alte Leier.
Tonja: Wie dein Vater.
André: Such dir doch einen anderen.
Tonja: Das sagst du immer.
André: Und du machst es nie.
Tonja: Ich mach´s, sobald ich nicht mehr wütend bin.
André: Sehr gut.
Tonja: Wieso?
André: Dann muss ich dich halt wütend halten.
Tonja: Du willst meine Gefühle lächerlich machen.
André: Du interessierst dich für meine noch nicht einmal.
Tonja: Das stimmt nicht.
André: Stimmt wohl.
Tonja: Ich habe dich gefragt.
André: Ob ich sauer bin, hast du gefragt.
Tonja: Eben. Und ob irgendwas ist.
André: Ist das schon Interesse?
Tonja: Findest du mich nicht mehr hübsch?
André: Werd jetzt nur nicht hysterisch.
Tonja: Ich finde dich nicht mehr attraktiv.
André: Dann such dir doch einen anderen.
Tonja: Die meiste Zeit, meine ich.
André: Was?
Tonja: Wenn du so beleidigt durch die Gegend guckst.
André: Hauptsache, ich bin hässlich.
Tonja: Das habe ich nicht gesagt.
André: Was ist denn sonst das Gegenteil von "hübsch"?
Tonja: Ich liebe dich.
André: Danke, Schatz, ich dich auch.
Tonja: Ich meine das ernst.
André: Danke, Schatz. Überleg dirs noch mal.
Tonja: Du willst dieses Gespräch abbrechen?
André: Ja.
Tonja: Siehst du, genau das meine ich.
André: Du warst schon immer hartnäckig.
Tonja: Du kennst mich.
André: Oh Gott, ja.
Tonja: Jetzt bleib doch mal für eine Sekunde ernst.
André: Einundzwanzig.
Tonja: Du bist doch schon wieder betrunken.
André: Was soll man auch sonst tun.
Tonja: Dann wirst du immer so.
André: Wie?
Tonja: So albern und selbstmitleidig.
André: Ich bin nicht betrunken.
Tonja: Du müsstest dich sehen.
André: Du wirst auch immer so.
Tonja: Wie?
André: Dass du über alles quatschen willst.
Tonja: Genau das meine ich.
André: Hä?
Tonja: Dass du alles ins Lächerliche ziehst.
André: Hä?
Tonja: Dass man mit dir über nichts reden kann.
André: Hä?
Tonja: Okay, lassen wirs.
André: Was lassen?
Tonja: Dieses Gespräch.
André: Gespräch?
Tonja: Du hast es zu dem gemacht, was es wurde.
André: Ich habe es nicht gewollt.
Tonja: Was?
André: Das Gespräch natürlich.
Tonja: Also lassen wirs.
André: Wenn du es genau wissen willst.
Tonja: Will ich.
André: Ich habe eine andere.
Tonja: Glaube ich nicht.
André: Stimmt auch nicht.
Tonja: Also hören wir jetzt endlich auf.
André: Wir haben doch gerade erst angefangen.
Tonja: Wir haben noch nicht mal angefangen.
André: Sollen wir uns lieben?
Tonja: Heute nicht.
André: Hilft doch immer.
Tonja: Und morgen früh?
André: Bin ich nicht sauer.
Tonja: Glaubst du doch selbst nicht.
André: Erst morgen abend wieder.
Tonja: Ich finde dich nicht witzig.
André: Du hast keinen Humor.
Tonja: Es gibt Leute, die sehen das anders.
André: Dann geh doch zu denen.
Tonja: Schluß jetzt.
André: Schluß.
Tonja: Schluß.
André: Kuß und Schluß.
Tonja: Du kannst mich mal.
André: Wo gehst du hin?
Tonja: Nach Hause.
André: Ist nicht dein Ernst.
Tonja: Zahlst du meins mit?
André: Du bleibst hier!
Tonja: Sagst du?
André: Sage ich!
Tonja: Ich wäre gegangen.
André: Du und der Konjunktiv.
Tonja: Wenn ich gewollt hätte.
André: Spielchen.
Tonja: Dein Spielchen.
André: Vorbei.
Tonja: Schade!
André: Zu billig.
Tonja: Da ist er wieder, der Herr Oberlehrer.
André: Verletzen aus Verletztheit.
Tonja: Such dir doch eine andere.
André: Ich halte die Augen offen.
Tonja: Auf der Arbeit?
André: Ich komme viel rum.
Tonja: Oh Mann!
André: Oh Frau!
Tonja: Wir sehen uns.
André: Du haust mal wieder ab?
Tonja: Endgültig!
André: Geh doch.
Tonja: Bleibst du noch?
André: Was wäre dir denn lieber?
Tonja: Dass du mitkommst.
André: Wieso?
Tonja: Weiß ich nicht.
André: Dann geh alleine.
Tonja: Mach ich auch!
André: Ich dachte.
Tonja: Gar nichts hast du mir zu sagen.
André: Hab ich doch auch gar nicht.
Tonja: Hast du wohl. Nur zuhören kannst du nicht.
André: Ich will mir Mühe geben.
Tonja: Das sagst du immer.
André: Nicht immer. Jetzt!
Tonja: Jetzt?
André: Ja, nur frei heraus.
Tonja: Na gut.
André: Na also?
Tonja: Ist irgendwas?
André: Was soll denn sein?


Wer an diese Kolumne zukünftig jeden Mittwoch erinnert werden möchte, schreibe eine Mail an thekentaenzer@netcologne.de, Stichwort: Die Köln-Kolumne.

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Coloniales (27)

Jakob und die Renaissance

Die Kölner Architekturgeschichte wird in erster Linie durch den gotischen Dom und die romanischen Kirchen geprägt. Aber auch die Renaissance hat hier ihre Spuren hinterlassen, etwa in Form der Rathauslaube oder des Lettners von St. Maria im Kapitol. Um ein komplettes Renaissance-Gebäude handelt es sich beim Haus Bachem – laut manchen Quellen „Im Bachen“ – an der Ecke Großer Griechenmarkt und Bachemstraße. Wie die Maueranker unter dem prächtigen Doppelgiebel ausweisen, stammt es aus dem Jahr 1590. Ursprünglich soll hier der Hof eines erzbischöflichen Kämmerers namens von Bachem gelegen haben. Spätestens im 19. Jahrhundert, das ist belegt, übernahmen dann die Brauer das Zepter. Möglicherweise trat irgendwann in den 1820er oder früher 1830er Jahren ein kleiner Cellist namens Jakob hier auf, der mit seinen Eltern gleich nebenan am Großen Griechenmarkt wohnte und dort auch 1819 geboren worden war. Dass er bereits in frühem Alter in Gasthäusern musizierte, ist bekannt, denn der kleine kölsche Junge mauserte sich zu einem berühmten Komponisten. Weil er nach Frankreich ging, wurde aus Jakob Jacques. Sein Nachname, Offenbach, blieb. Seit
Die Brauerei-Tradition in Haus Bachem endete 1880, und historische Fotos belegen, dass das Gebäude in den Folgejahren zusehends verfiel. Wie durch ein Wunder jedoch war es in weitem Umkreis das einzige, das die Bombardements und Feuersbrünste des Zweiten Weltkriegs nahezu unbeschadet überstand. Erhalten blieb auch das sogenannte Hangstüffje, die ins hohe Erdgeschoss eingehängte Kammer, wie sie sich etwa auch im Brauhaus Im Walfisch (Salzgasse 13, von 1626) findet. Dort in der Altstadt hört man auch das frisch renovierte Glockenspiel des Rathausturms. Täglich um 18 Uhr serviert es ein Potpourri mit Melodien Jacques Offenbachs, darunter die „Barkarole“ aus „Die Rheinnixen“, der „Cancan“ aus „Pariser Leben“, der „Galopp infernal“ aus „Orpheus in der Unterwelt“ und „Klein Zack“ aus „Hoffmanns Erzählungen“.


Wer an diese Kolumne zukünftig jeden Mittwoch erinnert werden möchte, schreibe eine Mail an thekentaenzer@netcologne.de, Stichwort: Die Köln-Kolumne.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Thekentänzer (21)

Hansis Hund

Mal mit dem Hund raus will er, der Hansi, aber da hat er schon die Neige der Kornflasche intus.
„Mach das, Hansi“, sagt Marlene, „Bangie freut sich.“ Und dann schiebt sie ab ins Wohnzimmer mit ihrem Rollstuhl, vor den Fernseher, nebens Sofa, neben Hansis jetzt leeren Platz an der Armlehne, ein Knopfdruck ein anderes Programm eine Richter-Serie Marlene schüttelt den Kopf.
„Na komm schon, du krummer Hund.“
Bangie wedelt mit dem Schwanz und pisst vor Freude auf den Läufer im Flur. Hansi hebt ihn auf, den Läufer, hängt ihn zum Trocknen an den üblichen Garderobenhaken. Die Pfütze auf den alten Dielen, diese Mühe, die ihm das bereitet, dieses Gefühl des Ungenügens und vage Erinnerungen an systematische Säuberung. Dann lieber alles verschwimmen lassen, die Brühe am Boden im Kopf vor den Augen. Alles verschwimmen lassen, Auflösung, Wohlgefallen am überwundenen Gewissen. Ein kurzer Blick um die Ecke noch, ins Wohnzimmer hinein, verstohlen voll Liebe: „Also, Schätzchen, mach´s gut, mein Schätzchen, ich erzähl dir nachher.“
Keine Frage, dass Hansi die Pipeline ansteuert. Keine Frage, dass er zunächst einen Umweg nimmt, der Vorfreude wegen. Zum Fluß runter, an der Touristeninfo entlang – Bötchentouren, Dreiviertelhosen und Brillen an Halsbändern. Gesehenwerden: Guck da, der Hansi, führt den Hund aus der Hansi, den Bangie, ja das ist ein Pärchen, die zwei. Das sind man welche die Marlene im Rollstuhl was willst du dran machen das Bein musste ab. Vom Marktplatz runter in südlicher Richtung, die Fußgängerzone, Geschäfte und Neon. Da möchte ich nicht wohnen, sagt Marlene immer, was haben wirs gut hier am Rand, dieses Rauschen der Krach meine Nerven.
Weit weg ist der Hansi nun schon, hüpfenden Herzens. Das ist das Verschwimmen, Verströmen, das Loslassen. Diebische Freude, Vorfreude, die Sprüche der Jungs und von Susi, der Wirtin. Die Sprüche vorm Klo, an den Wänden, was haben wir hier nicht schon alles zusammen erlebt und geschrieben. Das waren doch wir, nicht, das haben doch wir über all die Jahre ich weiß noch, das war doch, „OB-Team – In der Regel sind wir voll.“
„Der Hansi“, sagt Susi, Sonne und Mond. „Der Hansi, ja da freu ich mich aber.“


Wer an diese Kolumne zukünftig jeden Mittwoch erinnert werden möchte, schreibe eine Mail an thekentaenzer@netcologne.de, Stichwort: Die Köln-Kolumne.