Mittwoch, 22. Juli 2015

Thekentänzer (90)

Der Bus mit den Schwedinnen

Clarence kennt hier jeder.
Er hat 8 Kinder von 6 Frauen, und
die 9.: Nun ja, seit drei Wochen
bestellt sie Bionade statt Bier.

„Ich bin der einzige,
der den Bus mit den Schwedinnen
wirklich gesehen hat“, sagt Clarence gern
ungefragt.

„Doch, echt! An der
Tanke an der
Neusser.“

Clarence´s Tank


Wer diese Kolumne zukünftig jeden Mittwoch zugeschickt bekommen möchte, schreibe eine Mail an thekentaenzer@netcologne.de, Stichwort: Die Köln-Kolumne.

Mittwoch, 15. Juli 2015

Deutsche Sprichwörter (7)

Der Bonner Philologe Karl Simrock (1802-76) edierte unter anderem eine umfangreiche Sammlung deutscher Sprichwörter. Hier eine Wochenauswahl zum Thema

„Glück und Unglück“


# Was zum Galgen geboren ist, ersäuft nicht.

# Wen das Glück in die Höhe hebt, den will´s werfen.

# Alles Unglück ist gut, wenn man Brot dabei hat.

# Heute was, morgen Aas.

# Kraule die Sau, bis sie liegt, dann gib ihr den Stich.

Glücklich, wer hier seinen Weg findet

Wer diese Kolumne zukünftig jeden Mittwoch zugeschickt bekommen möchte, schreibe eine Mail an thekentaenzer@netcologne.de, Stichwort: Die Köln-Kolumne.

Mittwoch, 8. Juli 2015

Interviews (36)

Der Lehrer des Jahres

Thomas Hahn wurde 1966 in Siegburg geboren. Nach der Mittleren Reife absolvierte er eine Lehre als Werkzeugmacher und holte dann in Troisdorf sein Abitur nach. Nach dem anschließenden Lehramtsstudium in Wuppertal und Köln fand er am Kaufmännischen Berufskolleg Siegburg seine erste Anstellung als Lehrer. Im Jahr 2000 wechselter an das Georg-Simon-Ohm-Berufskolleg im rechtsrheinischen Gremberg, wo der Oberstudienrat unter anderem auch als Fortbildungskoordinator fungiert. Er unterrichtet die Fächer Wirtschafts- und Geschäftsprozesse sowie Politik. 2013 wurde er zum "Lehrer des Jahres" gewählt.
Thomas Hahn lebt mit Frau, Sohn und Hund im Westerwald.

Vor dem Interview reinigt Thomas Hahn noch die Tafel von den Notizen der letzten Unterrichtsstunde. Auch die Wände hier hat er eigenhändig gestrichen, um seinen Klassenraum freundlicher zu gestalten. „Man muss alles vorleben, was man von anderen verlangt“, sagt er.

Was ist ein Berufskolleg?

Das ist ein Oberbegriff für einen Schulkomplex, der mit beruflicher Bildung zu tun hat. Dazu gehört vor allem die Berufsschule, die Berufsfachschule und die Höhere Berufsfachschule. Zu uns kommen Schüler, um hier ihr Fach- bzw. Vollabitur zu machen - mit einem beruflichen Schwerpunkt. Wer nach der 10. Klasse schon eine Vorstellung von seinem zukünftigen Job hat, für den ist das Berufskolleg ideal.

Wer hat Ihnen die Urkunde zum Lehrer des Jahres 2013 überreicht? Herr Gauck?

Nein, nicht ganz. Mir wurde sie von der stellvertretenden NRW-Ministerpräsidentin Löhrmann übergeben. Weil es ein nationaler Preis ist, fand das Ganze in Berlin statt und war in einen richtigen Festakt eingebunden.

Mit Canapés und allem?

Auch das, und mit mehreren Reden, persönlicher Ehrung und einer anschließenden Podiumsdiskussion. 3.500 Vorschläge waren eingereicht worden, insgesamt 22 Lehrer haben dort einen Preis bekommen.

Haben Sie seitdem finanziell ausgesorgt?

(lacht) Natürlich nicht. Aber überraschenderweise habe ich ein Preisgeld von 1.000 Euro bekommen. Und viel Ehre, etwas Ruhm.

Hatte die Auszeichnung berufliche Auswirkungen?

Der Druck, der Anspruch an mich selbst ist dadurch größer geworden. Neue Schüler sehen diesen Preis in meiner Biografie auf der Schulwebsite, und den damit verbundenen Erwartungen versuche ich gerecht zu werden.

Gab es Autogrammanfragen?

Nein, das nicht. Aber aus ganz Deutschland haben mich ehemalige Schüler beglückwünscht. Sehr anrührende Mails waren das zum Teil.

Es war keine einzige diffamierende darunter?

Tatsächlich nicht. Stattdessen wollte der Pflegschaftsvorsitzende eines Kölner Gymnasiums wissen, wie ich meine Evaluationen jeweils am Ende eines Schuljahres organisiere. Mit dem habe ich mich dann in Verbindung gesetzt.

Auch in der DDR war man pädagogisch schwer auf Zack

Wie stellen Sie sich einen kompetenten Pädagogen vor?

Kurz gesagt: Er sollte nicht ständig auf die Uhr gucken, über umfassende Kompetenzen verfügen und seine Schüler nicht wie Nummern behandeln. Ich habe insgesamt rund 370 Schüler und kenne jeden einzelnen mit Namen.

Haben Sie so eine Art fotografisches Gedächtnis?

Überhaupt nicht. Das Namenlernen fällt mir sogar ziemlich schwer. Aber das ist mein Anspruch an meinen Beruf. Mein Ziel ist sogar, dass ich mir alle Namen innerhalb der ersten Doppelstunde merke. Indem ich die Schüler persönlich anspreche, schaffe ich eine erste Grundlage für gegenseitige Wertschätzung.

Flippen Sie nie aus?

Sagen wir so: Ich bin in der Lage, mit verschiedenen Eskalationsstufen umzugehen. Ich bin durchaus emotional, kann aber mit meinem Ärger professionell umgehen. Mein Bestreben ist, einen Konflikt ins Positive zu wenden, sodass der Schüler danach etwas mitnimmt.

Das klingt jetzt aber stark nach Pädagogenlatein.

Ist es ja auch. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass ein Konflikt anwächst, wenn man sich nicht um ihn kümmert. Geht man ihn an, birgt er hingegen sogar Lernchancen.

Haben Sie in Gremberg mit kompetenten Schülern zu tun?

Meine Schüler hier sind traumhaft, das kann ich so sagen. Ich schätze, dass rund 80 Prozent unserer Schüler ihr Hobby zum Beruf machen, und das ist eine sensationelle Quote. Wobei ich zugebe: Um sie für mein Fach Wirtschafts- und Geschäftsprozesse - eines unserer drei Hauptfächer - zu begeistern, muss ich mir ordentlich Mühe geben.

Mittelalterliche Schulszene (nachgestellt)

Ist Ihre Schülerschaft kölsch oder multikulti?

Letzteres. Zum einen haben wir ein recht großes Einzugsgebiet in NRW, zum anderen natürlich auch Schüler mit den unterschiedlichsten Migrationshintergründen.

Warum wohnen Sie als gebürtiger Siegburger im Westerwald und fahren jeden Morgen hier hin?

Bevor mein Sohn geboren wurde, hatte ich ein Motorrad, eine R80 GS. Mit der bin ich immer gern durch den Westerwald gefahren. Die BMW habe ich aufgegeben, weil meine Frau sich das zur Geburt gewünscht hat. Aber dem Westerwald bin ich treu geblieben, wir haben dort 2000 ein Haus gebaut.

Sie sind gelernter Werkzeugmacher. Profitieren Sie von diesem Praxis-Hintergrund?

Nicht direkt, aber meine Schüler attestieren mir, dass ich im Unterricht gern praktische Bezüge zur Lebenswirklichkeit herstelle.

Man spricht heutzutage despektierlich von der Kopf-Runter-Generation, die nur mit ihrem Smartphone beschäftigt ist. Nehmen sie das war?

Klar, das ist bei uns genau wie in anderen Schulen. ich nehme die Schüler deswegen auch schon mal gern auf die Schippe.

Was ist bei Ihren Schülern das Äquivalent zu Früh-80er Friedensdemos, Tempo 100, Aktionen gegen das Baumsterben, wie Sie in Ihrer - und meiner - Jugend an der Tagesordnung waren?

Ich denke, ein zentraler Punkt ist der Gedanke des freien Internets - Zugang für alle und ein Verbot der Bespitzelung durch Geheimdienste. Selbstverständlich stößt auch die Internetfreiheit an Grenzen, etwa wenn es um Kinderpornografie geht.

Jenseits der Schule engagieren Sie sich als Presbyter in einem evangelischen Kirchenvorstand.

Ja, die Evangelische Kirche im Rheinland bestimmt ihre Vertreter durch Wahlen in der Gemeinde. Und als ich vor drei Jahren gefragt wurde, habe ich mich aufstellen lassen.

BWLer stelle ich mir eigentlich eher unspirituell vor.

Meine Entscheidung war glaubensbedingt, aber auch durchaus rational. Bis vor zehn Jahren war ich noch Katholik, bin dann aber ausgetreten, weil ich mich mit der Glaubensauslegung von Papst Johannes Paul II. nicht mehr identifizieren konnte. Zum Beispiel im Zusammenhang mit Schwangerschaftsberatungen. In der evangelischen Kirche hingegen hat sich mein Glaube noch einmal intensiviert. Ich engagiere mich gerne dort, nicht zuletzt deshalb, weil mir die grunddemokratischen Strukturen dort sehr zusagen.


Wer diese Kolumne zukünftig jeden Mittwoch zugeschickt bekommen möchte, schreibe eine Mail an thekentaenzer@netcologne.de, Stichwort: Die Köln-Kolumne.

Mittwoch, 1. Juli 2015

Thekentänzer (89)

Reim auf aufen

Szene am Rande eines Freiluftmusikfestivals

Passmaaufichbinfünfzig.
Ichhabironmaidenalsvorgruppevonkissgesehn
Ichwaraufmallererstenrockamring

Undwenndumirkrummkommst
Holichdirektdiebullen.


Reim auf aufen

Schuhe sind zum Laufen da.
Kohle ist zum Kaufen da.
Fäuste sind zum Raufen da.
Schnäpse sind zum Saufen da.


Vermächtnis des Feuerwassergottes

Stell dir vor
der letzte Zapfhahn liegt trocken
und deinen Freunden ist´s egal.
Das ist dann wirklich
das Ende.

As Time Goes By

Wer diese Kolumne zukünftig jeden Mittwoch zugeschickt bekommen möchte, schreibe eine Mail an thekentaenzer@netcologne.de, Stichwort: Die Köln-Kolumne.

Mittwoch, 24. Juni 2015

Thekentänzer (88)

„Ich liebe Demos“

„Ich liebe Demos“, sagt die Frau.
Sie ist Ende 20, blond und bestellt ausschließlich große Biere.
„Eure komischen Stangen trink ich nicht“, hat sie beim Eintreten gesagt. Und bekommt deshalb Guinness-Gläser voller Kölsch.
Es ist 8 Uhr, die Kneipe hat gerade erst aufgemacht. Draußen gehen ein paar auf Gewerkschaft getrimmte Clowns in orangefarbenen Plastikjacken über die Straße. In ihren Mündern stecken Trillerpfeifen, damit sie nicht zuviel Scheiß reden.
Susanne, so heißt sie, hat sich ausgerechnet neben Eric gesetzt.
„Letztens habe ich im Suff vergessen, wo mein Fahrrad stand“, sagt Susanne.
„So habe ich schon drei Fahrräder verloren“, sagt Eric.
„Is ja cool“, sagt Susanne, „ich liebe vergessliche Menschen.“
Eric geht eine rauchen. Draußen vor der Tür wird er ein anderer Mensch, wie immer. Er lehnt sich an den Holm zwischen den Fenstern und steckt sich die Kippe an wie Clint Eastwood seinerzeit den Zigarillo. Bis dahin ist alles korrekt, aber dann: beginnt er zu reden. So stumm vor sich hin, bis er in Rage gerät. Am Ende reißt er sich am Riemen, schnippt die Fluppe routiniert auf die Straße und setzt sich wieder auf seinen Hocker.
Susanne freut sich, dass Eric zurück ist.
„Und sag mal, hast du dir ein neues gekauft?“
„Neues was?“ fragt Eric zurück.
„Na Fahrrad.“
„Wieso Fahrrad?“
„Is ja cool“, sagt Susanne.

Auch Werther wollte vergessen

Wer diese Kolumne zukünftig jeden Mittwoch zugeschickt bekommen möchte, schreibe eine Mail an thekentaenzer@netcologne.de, Stichwort: Die Köln-Kolumne.

Mittwoch, 17. Juni 2015

Coloniales (54)

Birlikte war blöd

... jedenfalls für mich

Beim Birlikte-Fest vom letzten Wochenende hatte ich zwei Auftritte mit meinem Buch „Das Köln-Album". Einer fand bei einem deutschen Veranstalter, der andere bei einem türkischen statt. Geld wurde natürlich nicht gezahlt, aber weil es für eine gute Sache war, hatte ich mich gründlich vorbereitet: das ganze Buch auf Beziehungen zu Themen wie Migration, friedliches Zusammenleben etc. durchforstet.
Beim deutschen Veranstalter waren die Fenster vollgeklebt mit Plakaten der verschiedenen Künstler. Man hatte einen Beamer besorgt, ein Techniker kümmerte sich um die Tonanlage, und sogar ein kleiner Bücherstand war aufgebaut. Ebenso war eine Mitarbeiterin des Betriebs vor Ort, die mich einwies und mir Wasser besorgte. Mit anderen Worten: schöne Lesung, angenehme Atmosphäre.
Der türkische Veranstalter, ein Café, hatte kein einziges Plakat aufgehängt. Auch waren seine Angestellten nicht informiert.
Ich: „Guten Tag, ich bin Bernd Imgrund und trete hier gleich auf.“
Kellnerin: „Als was wollen Sie denn auftreten? Ich weiß von nichts.“
Der Lesungsraum war eine Art überhitztes Gewächshaus im hintersten Bereich des Cafés. Niemand räumte die Tische ab, die voller Kaffeetassen und Kuchenteller standen. Mein Lesetisch war neben dem Abgang zum Klo platziert, das während der halben Stunde des Auftritts permanent besucht wurde. Zu trinken bekam man hier als Auftretender nichts. Aber kaum war ich fertig, forderte mich ein Kellner auf, doch bitte schnell meine Sachen vom Tisch zu nehmen, damit der wieder an seinen Platz komme.
Im Hauptraum des Cafés saßen ungefähr 70 Menschen, die meisten von ihnen Türken. Keiner von ihnen hatte die Lesung besucht. Beim deutschen Veranstalter war genau ein Mann mit türkischem Hintergrund aufgekreuzt. Als ich zu der Stelle kam, wo ich St. Michael als Heiligen der Christen und Moslems vorstelle, derjedoch ursprünglich einen jüdischen Hintergrund hat, stand dieser Mann auf und ging.
Wie gesagt: Birlikte war blöd.



Wer diese Kolumne zukünftig jeden Mittwoch zugeschickt bekommen möchte, schreibe eine Mail an thekentaenzer@netcologne.de, Stichwort: Die Köln-Kolumne.

Mittwoch, 10. Juni 2015

Coloniales (53)

Der Fernwärmetunnel

Einmal so richtig „unten durch“ sein

Wer trockenen Fußes die Rheinseite wechseln will, benutzt herkömmlicherweise eine der sieben Brücken oder die Fähre von Weiß nach Zündorf. Es geht aber auch anders, und zudem weitaus spektakulärer. Ein unscheinbarer Betonpilz am rechtsrheinischen Messeufer bildet den Eingang zum Fernwärmetunnel der Rheinenergie. 

 Einstieg rechtsrheinisch neben der Hohenzollernbrücke

Über rund 100 Stufen steigt man hinab zu einer drei Meter hohen, begehbaren Röhre, die unter dem Flussbett hindurch zum Breslauer Platz führt. 461 Meter lang ist diese Unterführung, mit der die damaligen Gas- und Elektrizitätswerke (GEW) 1984 ein zukunftsweisendes Projekt starteten. Der Trick: Vom Kraftwerk aus wird 120 Grad heißes Wasser auf die Reise geschickt, um sich nach der Flussunterquerung zweigartig auf die Haushalte zu verteilen und dort über einen Wärmetauscher ihre Hitze abzugeben für Heizungs-, Koch- und Badewasser. Die Leitungen sind so gut isoliert, dass das Wasser vom Vorlauf bis zum Verbraucher maximal fünf Grad verliert.


 Im Tunnel


Und wer einwendet, dass doch auch dieses Wasser mit Energieaufwand auf Temperatur gebracht werden muss: das läuft natürlich über Kraft-Wärme-Kopplung, d.h. mit der Wassererhitzung beispielsweise durch Erdgas wird zugleich Strom erzeugt.
Analog dem Bau der Nord-Süd-U-Bahn fraß sich auch 1984 ein riesiger Bohrschild durchs unterirdische Gestein. So mancher ungewöhnliche Fund wurde dabei zu Tage gefördert, u.a. Bombenreste und Teile der alten Hohenzollernbrücke. Die interessantesten Stücke liegen im rechtsrheinischen Vorraum auf einem Ausstellungstisch – gezeichnet mit Datum, Uhrzeit und dem Namen der jeweiligen Schicht, die sie entdeckte.
Die Begehung eignet sich nicht für Menschen, die zu Platzangst neigen. Vor allem im ersten Moment scheint der schnurgerade Tunnel kein Ende zu nehmen. Wer jedoch das „Halbzeit“-Schild erreicht, der hat das Gröbste überstanden.

Ausstieg linksrheinisch unterm Musical Dome


Rückweg über die Hohenzollernbrücke


Text aus: Bernd Imgrund: 111 Kölner Orte, Emons Verlag