Mittwoch, 15. April 2015

Deutsche Sprichwörter (5)

Der Bonner Philologe Karl Simrock (1802-76) edierte unter anderem eine umfangreiche Sammlung deutscher Sprichwörter. Hier eine Wochenauswahl zum Thema Essen u.ä.:

# Böse Frauen machen die besten Käse.

# Hunger ist das beste Gewürz.

# Ein Krämer, der nicht Mausdreck für Pfeffer aufschwatzen kann, hat sein Handwerk nicht gelernt.

# Den Hund schickt man nicht nach Bratwürsten.

# Alte Ziegen lecken auch gern Salz.

Alte Ziege, süße Trauben

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Mittwoch, 8. April 2015

Geschichten aus 1111 Nächten (57)

Der kleine Junge

Es war einmal ein kleiner kölscher Junge, der als gläubiger Christ rheinisch-katholischer Prägung aufwuchs. Eines Nachts kamen ihm die großen ereignisse seines noch jungen Lebens in den Sinn, und im Traum sah er dabei stets zwei Fußspuren im Sand: seine und die des heiligen Willy. Ausgerechnet an jenen Stellen jedoch, wo das Leben schwer gewesen und es ihm schlecht ergangen war, sah er nur jeweils eine Fußspur. Der kleine Junge erschrak und fragte den Willy:
„Sag, heiliger Mann, ich bin Messdiener, ehre Vater und Mutter und lege sogar regelmäßig die Beichte ab. Warum hast du mich denn ausgerechnet in den schwersten Stunden meines Lebens alleingelassen?“
Aber der dicke Willy legte dem Jungen die Hand auf den Kopf und erklärte: „Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in harter Zeit. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, habe ich dich getragen.”

Die Welt zu Füßen


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Mittwoch, 1. April 2015

Interviews (33)

Ilka Simon, Frisbee-Weltmeisterin

"Tricks mit ner Scheibe"

Ilka Simon wurde 1984 i8n Unna geboren. Nach dem Abitur verbrachte sie ein halbes Jahr in Togo und Ghana, bevor sie nach Köln zog. Hier absolvierte sie ein magisterstudium mit den Fäüchern Afrikanistik, Pädagogik und Soziologie. Ein praktikum führte sie 2012 zum AntiDiskriminierungsBüro Mülheim (OegG), wo sie inzwischen eine feste Stelle hat.
Ilka Simon wohnt in Ehrenfeld.

Haben Sie als Kind gern getanzt?

Überhaupt nicht. Dass ich mal Frisbee spielen würde, war nicht abzusehen. Ich hatte es mehr mit Fußball.

In zwei Sätzen: Was ist Freestyle-Frisbee?

Da reicht ein Satz: Tricks mit ner Scheibe.

Was können Sie mit dieser Scheibe besser als andere?

Ich bin länger dabei als die meisten anderen Spieler, und mir ist das Ergebnis nicht ganz so wichtig. Frisbee ist nicht mein Job, mir geht es mehr um den Spaß, und ich denke, das sieht man mir auch an.

Die künstlerische Note ist Ihnen wichtiger als die Platzierung?

Mir geht es mehr darum, mich selbst weiterzuentwickeln und immer wieder den eigenen Schweinehund zu überwinden. Man braucht eine hohe Frustrationstoleranz und muss viel üben. Wenn in der Kür etwas Neuerlerntes klappt und die Scheibe nicht zu oft runterfällt, bin ich glücklich. Frisbee hat tatsächlich auch etwas Spirituelles. Ich habe das nicht gesucht in diesem Sport, aber gefunden.

Im Eiskunstlauf gab es früher neben der Kür die Pflicht, die jedoch inzwischen weggefallen ist.

Pflichtelemente gibt es im Freestyle-Frisbee nicht. Jeder kann zeigen, was er oder sie möchte. Aber es gibt auch noch andere Frisbeedisziplinen als Freestyle.

Unter anderem mit Mannschaften, die Punkte sammeln.

Das nennt sich dann Ultimate Frisbee. Da dringt man, wie beim American Football, in die gegenerischen Endzonen ein. Beim Freestyle spielt man meistens zu zwei, und es läuft Musik während der Kür.

Bevorzugen Sie eher Rock oder Klassik?

Ich mag Funk und Hip Hop am liebsten. Aber ich habe auch schon zu rockiger Musik gespielt.

Sie sind im letzten Jahr Freestyle-Weltmeisterin geworden. Kam das überraschend?

Oh ja, normalerweise gewinnen immer die Amerikaner. Danach war ich lange feiern und bin rumgereist. Bei der Rückkehr, nach 17 Stunden im Flieger, standen tatsächlich Kamerateams am Flughafen.

Die WM fand in Kolumbien statt. Wer hat Ihnen den Ausflug gesponsort?

(lacht) Niemand. Und da gibt´s auch keine großen Preise.

Sondern?

Ich habe einen schönen Pokal und umgerechnet 40 Euro bekommen.

Die Sie ordentlich auf den Kopf gehauen haben?

Ja, wir sind nocht ein paar Tage in die Karibik gefahren. Diese Frisbee-Turniere sind für mich gleichzeitig die schönsten Urlaube, die ich mir vorstellen kann. Ich treffe tolle Leute aus aller Welt, und wir teilen dasselbe Hobby. Was will man mehr!

Wenn ich diese Scheibe werfe, flattert die immer nach rechts und kullert peinlich über den Boden. Was mache ich falsch?

Man braucht schon ein bewegliches Handgelenk fürs Werfen. Aber die Technik hat man relativ schnell raus. Ich denke, bei Ihnen liegt es eher am schlechten Material, so eine Supermarktscheibe bringt´s einfach nicht.

Können Sie den Flug eines Frisbees physikalisch erklären?

(lacht) Nein, das habe ich noch nie nachgelesen. Aber ich vergleiche die Scheibe gern mit einem Flugzeug, das ja auch vom Wind getragen wird.

Kann man Köln als ein deutsches Zentrum für den Frisbee-Sport bezeichnen?

Hier ist vor allem Ultimate Frisbee sehr stark. Neben ein paar anderen deutschen Städten sieht es hier aber auch mit dem Freestyle ganz gut aus.

Haben Sie ein eigenes Trainingsgelände?

Leider nicht, wir wechseln den Spot immer mal. Lange Zeit war die Uniwiese unser Trainingsplatz, aber jetzt werden wir wohl zur Poller Wiese wechseln.

Die liegt schon rechtsrheinisch, wo Sie auch arbeiten. Um wessen Belange kümmert sich das Mülheimer „AntiDiskriminierungsBüro“ des Vereins Öffentlichkeit gegen Gewalt (ÖgG)?

Wir unterstützen Menschen, die rassistisch diskriminiert wurden, wegen ihrer Rasse oder Religion etwa.

Welche Geschichte hat Sie in letzter Zeit besonders aufgewühlt?

Ein 13-jähriges Mädchen wurde verdächtigt, ein Portemonnaie gestohlen zu haben. Die Polizei nahm sie ohne Elternbegleitung mit auf die Wache. Mehrmals fiel das Wort „Zigeuner“, und das Mädchen wurde vaginal und rektal durchsucht – was für ein Portemonnaie sicher nicht nötig war. Leider haben wir es bei uns häufiger mit Polizeigewalt zu tun.

Empfinden Sie Ihre Arbeit als belastend?

Wir sind die, die immer die unangenehmen Fragen stellen müssen. Und wir erleben nicht gerade die Sonnenseiten des Daseins. Das belastet einen durchaus auch nach der Arbeit. Um so schöner ist es deshalb, ein Hobby wie Frisbee spielen zu haben.

Wie verbinden Sie den Job mit Ihrem doch recht trainingsintensiven Sport?

Das ist schwierig. Aber ich versuche, mich immer zu fordern. Laut Weltrangliste nimmt niemand an so vielen Turnieren teil wie ich. Das ist auch eine Art des Trainings.

So ein ästhetischer Vortrag mit Scheibe wäre doch auch als Kleinkunst in der Fußgängerzone zu gebrauchen.

Ein Freund von mir hat das gemacht und nicht schlecht verdient. Wir haben uns auch schon für einzelne Performances buchen lassen, von einem Outdoor-Ausrüster zum Beispiel. Und bei unserem jährlichen ÖgG-Wettbewerb „Dissen – mit mir nicht“ gibt es auch immer eine Frisbee-Show.

Frisbee wurde erfunden, nachdem ein Bäcker Kuchen in dieser Schalenform ausgeliefert hatte. Haben Sie schon einmal Scheibenkuchen gebacken?

(lacht) Nein. Das wäre schon deshalb schlecht, weil wir unser Material bearbeiten. Silikonspray täte dem Kuchen bestimmt nicht gut.

Mittwoch, 25. März 2015

Thekentänzer (87)

Im Sessel mit Birgit

Die beiden Jungs sind aus dem Ruhrgebiet und sitzen seit 8 Uhr vor ihren Gläsern. Jetzt ist es halb 2. Weil Tresengespräche chronologisch rückwärts laufen, sind sie inzwischen bei ihrer Schulzeit in Herne angelangt.
„Und du hast wirklich mal mit Birgit aus der a) geknutscht?“
„Ja klar, in deinem Sessel.“
„War das die Party, wo der Axel im Vorgarten gepennt und meine Mutter den am nächsten Morgen ...?“
„Genau, und Edelgard hatte als erstes Mädchen überhaupt rotlackierte Fußnägel.“
„Oh Gott, ja, ich erinner mich. Komm, wir trinken nochn Schnaps.“

Die Zeit verrinnt, es geht auf 5 zu. Die Flasche Sechsämter steht schon lange zwischen den beiden und ist fast leer. Die Köpfe unter den Jürgen-von-Manger-Schiebermützen sind vornübergesunken, und das Gespräch, nun ja, verläuft inzwischen recht schleppend. Aber dann kommt doch noch was.
„Auf meinem Sessel?“ fragt der eine, und der andere sagt:
„Hmm! Mit Edelgard.“

Damals ...

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Mittwoch, 18. März 2015

Geschichten aus 1111 Nächten (56)

Das Marmeladenbrot

Eines Morgens fiel dem völlig verkaterten Tünnes das morgendliche Butterbrot aus den zittrigen Händen. Jedoch landete es nicht auf der Marmeladen-, sondern der Brotseite.
Das Wunder verbreitete sich wie ein Lauffeuer in ganz Köln. Die Menschen diskutierten aufgeregt in den Straßen, am Arbeitsplatz und in den Kneipen. Weil jedoch niemand wusste, wie die teuflische Sache zu deuten sei, wandte man sich an den heiligen Willy. Aber auch der hatte spontan keine Antwort parat und erbat sich 24 Stunden des Nachdenkens.
In Köln hielt man viel auf die Meinung des heiligen Mannes, denn über der Kirche war nur noch der FC. Also belagerte man Willys Gotteshaus, bis er einen Tag später vor der Tür erschien – müde, aber offenbar erleuchtet.
Er zerteilte die Menschenmassen, marschierte geradewegs zur kleinen Genossenschaftswohnung des Tünnes, stellte sich an das geöffnete Fenster und verkündete: „Nicht das Butterbrot, sondern der Anton hat Schuld. Weil er die Marmelade auf die falsche Seite schmierte.“
Also zerteilte sich die Menge und war´s zufrieden.


Man kann das auch unfair finden.

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Mittwoch, 11. März 2015

Thekentänzer (86)

Die Frau mit dem Nasenring

Die Frau trägt
einen goldenen Nasenring und
eine schwarze Lederjacke.
Mit Nieten.

Das ist das, was man
über dem Tresen von ihr
sieht. Und bei Gott:
Man sähe gerne mehr.

„Ist mein Platz“, sagt sie
zu dem schmächtigen Kerl, der
sich während ihrer Kippenpause
hochgehievt hatte.

Interessant zu beobachten, wie
schmächtig und sprachlos
er sich vom Hocker macht.

Um es abzukürzen: Die beiden
sind jetzt
seit 25 Jahren verheiratet.

Und wenn du mich fragst: Glücklich.

Nicht immer läuft das Leben regelhaft.


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Mittwoch, 4. März 2015

Coloniales (52)

Vater Rhein


Gesamtlänge: 1.326 km*

Kölner Uferlänge linksrheinisch: 40,0 Kilometer
Uferlänge rechtsrheinisch: 27,3 Kilometer**

Pegelnullpunkt: 34,97 cm über NN
Mittlerer Pegelstand: 290–320 cm

Gefälle innerhalb des Stadtgebiets: 3,60 m

Fließgeschwindigkeit bei Hochwasser: 2,5 m/s

Mittlerer Abfluss bei Niedrigwasser: 930 m²/s***
Mittlerer Abfluss bei Hochwasser: 6.190 m²/s


* Womit er nach der Donau der längste und wasserreichste Fluss Mittel- und Westeuropas ist. Nicht zuletzt tragen dazu seine Nebenflüsse bei. Der Rhein nimmt sie mit einer Gesamtlänge von 26.000 km in sich auf, und das ohne zu murren und ohne einen einzigen von ihnen wieder auszuspucken. Soviel zur rheinischen Toleranz.

** Das Ungleichgewicht erklärt sich durch die geringere Nord-Süd-Ausdehnung der Stadt auf der östlichen, rechten Rheinseite. Schuld daran ist Leverkusen, das die Schäl Sick nach Norden hin (Höhe Merkenich) abschneidet.

*** Den Minusrekord hält der 16. Februar 1929: Bei 470 m²/s Abfluss und einem Wasserstand von 62 cm hätte man den Rhein in Anglerstiefeln durchqueren können.

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