Mittwoch, 23. November 2016

Coloniales (67)

Bierführerschein statt Wegbier-Verbot

Das Gehbier-Verbot wird kommen – auf die ein oder andere Art. Schon betonen Verwaltung und Oberbürgermeisterin: Wir werden das dann aber gar nicht so streng auslegen, keine Angst. Es geht nur um extreme Sauferei in unmittelbarer Nähe von Grundschulen. Aber die Verordnung existiert dann, als Repressionsinstrument kann sie jederzeit angewandt werden.
Eine Frage in diesem Zusammenhang lautet: Was soll der Blödsinn mit den Grundschulen? Woher soll der Trinker wissen, wo das nächste derartige Gebäude lauert?
Wer mit seinem kleinen Kind über die Schildergasse oder sonstwo durch die Innenstadt geht, kommt an zahllosen Saufnasen vorbei. Dem Kind ist es, je kleiner es ist, vollkommen schnuppe, was die Typen da machen. Zumal es im Zweifelsfall gar nicht weiß, was an Alkohol nun viel böser sei als an Lömmelömm oder Red Bull.
Anstatt pauschal alle Draußentrinker zu verfolgen, empfehle ich eine andere Lösung: den Bierführerschein. Jeder Kölner, der im Freien Alkohol konsumieren möchte, soll so ein Papier beantragen. Bei einer intensiven Prüfung wird dann festgestellt, ob er dazu tauglich ist. Wer nach drei Bieren anfängt, sexistische Witze zu reißen, ist durchgefallen. Wer nach fünf Kölsch zu gröhlen beginnt, ebenfalls. Wer sich schließlich nach zehn Einheiten zum Pinkeln an die nächste Hauswand stellt – egal, ob es sich um eine Grundschule, Kirche oder Privatimmobilie handelt – ist so dermaßen durchgefallen, dass er nie wieder ankommen braucht.
Sollte es zu einer derartigen Einrichtung kommen: Ich stelle mich gern als Ausbilder zur Verfügung.


Im Freien nur mit Führerschein




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Mittwoch, 16. November 2016


Fundstücke (27)

„Frauen sind auch ...“

Fußballplatz, Südstadt
Jugovater: „Ich wollte ja gar nicht, dass mein Sohn hier hin wechselt."
Deutschenvater: „Wieso?“
Jugovater: „Nur Türken hier, nur scheiß Türken. Die sollte man alle ausweisen.“
Deutschenvater: „Da gäb´s aber noch´n paar Kandidaten"
Jugovater: „Mich auch, oder was?“
Deutschenvater: „Alle Nazis und Rassisten. Am besten nach Sachsen.“
Jugovater: lacht
Türkenvater, ankommend: „Zigarette, Adis?“
Jugovater: „Danke, Samet.“

Männer

Kneipe, Nordstadt, 23 Uhr 30
Pullundertyp: „Kann doch jedem passieren, dass seine Frau nen anderen besser findet.“
Lederwestentyp: „Ja, aber nicht, dass die dann den Kerl ins Familienhaus holt und die da zu Dritt wie inner 80er-Jahre-WG wohnen.“
Pullundertyp: „Verlierst du die Frau, verlierst du die Ansprüche, du musst doch auch teilen können.“
Lederwestentyp: „Hör auf mit der Hippiescheiße.“
Pullundertyp: „Nee, ernst, Frauen sind auch ...“
Lederwestentyp: „Lassen wir´s.“

Kneipe, Nordstadt, 2 Uhr nachts
Typ, der irgendwann schonmal hier war: „Komm, wir trinken zwei Saure.“
Typ, der noch nie hier war: „Alkohol in einer anderen Form als Bier imponiert mir nicht.“
Typ, der irgendwann schonmal hier war: „Ja aber die Sauren mixt der Wirt hier selbst.“
Typ, der noch nie hie war: „Ich trink keinen Schnaps.“
Typ, der irgendwann schonmal hier war: „Das ist kein Schnaps, das ist ein Saurer.“
Typ, der noch nie hier war: „Na gut, dann tu mir einen."

Frauen


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Mittwoch, 9. November 2016

Coloniales (66)

Integration





Dieser Rebus ist ein Auszug aus dem Buch "Kölle, jeföhlt", Emons Verlag:

www.emons-verlag.de/programm/koelle-jefoehlt

Mittwoch, 2. November 2016

Kölner Gespräche (57): Der Jockey Dennis Schiergen

Dennis Schiergen wurde 1994 in Köln geboren. Sein Vater ist der berühmte Jockey Peter Schiergen, der als Reiter und Trainer auf über 1.000 Rennsiege kommt. In seinem Stall Asterblüte in Weidenpesch trainiert auch Sohn Dennis. Nach frühen Ponyrennen folgten 2010 seine ersten Siege in offiziellen Amateurrennen. Schon ein Jahr später wurde er mit 41 Siegen Champion der Amateurrennreiter und wechselte 2014 ins Profilager. Bedeutende Siege folgten, u.a. in diesem Jahr beim Kölner Oppenheim-Union-Rennen. Parallel zum Reiten absolviert er ein Studium des Sport-, Medien- und Eventmanagements.
Dennis Schiergen lebt mit seinen Eltern und seinen Brüdern in Köln-Auweiler.

Fotos: Der Schiergen-Stall an der Rennbahn in Weidenpesch

Bevor er zum Interview kommt, geht es noch einmal auf die Galopprennbahn. Unglaublich, mit welchem Speed dieses Tiere an einem vorbeiziehen. Und beeindruckend der Reiter, der währenddessen so gebückt und gebeugt überm Sattel schwebt.


Hatten Sie als Kind ein Schaukelpferd?

Klar, lag bei dem Vater ja nah, eins geschenkt zu bekommen. (lacht)

Pferde schaukeln eigentlich gar nicht, oder?

In der Dressur mag es runde Bewegungen geben, die in die Richtung gehen. Aber Rennpferde müssen sich lang machen, um so schnell wie möglich zu sein.


Ein Schaukelpferd dient also nicht als frühkindliche Vorbereitung auf den Rennsport?

Nein. Ich saß schon auf Pferden, bevor ich laufen konnte. Und mit zehn Jahren habe ich die ersten Ponyrennen mitgemacht. Ponys haben allerdings die Tendenz, ein bisschen sperrig zu sein.

So wie Esel?

Esel bleiben einfach stehen, wenn du Pech hast. Aber auch Ponys haben ihren eigenen Kopf und reiten nicht unbedingt dahin, wo du willst.


Verstärkt sich das bei großen Pferden?

Genau die Befürchtung hatte ich anfangs. Aber die erfahrenen Jockeys erzählten mir genau das Gegenteil: Wenn du Ponys reiten kannst, dann kannst du so ungefähr alles reiten.

Einer meiner Kumpels von der Grundschule hatte einen Reitstall. Ich hätte jeden Tag auf ein Pferd gedurft, habe es aber nie gemacht, weil ich Angst hatte.

Verstehe ich durchaus. Es gibt auch Sportarten, wo es bei mir aufhört.

Skispringen?

Ich fahre Ski, und im Funpark herumzuspringen, finde ich eigentlich ganz lustig. Aber Freeclimbing, am besten noch ohne Sicherung, das wäre nichts für mich.



Pferde sind groß und kräftig. Sind sie auch gefährlich?

Nein, das Wort passt nicht. Pferde tun nichts aus Bosheit, sondern höchstens aus Angst, weil sie sich erschreckt haben.

Was war Ihre bislang brenzligste Situation?

Stürze hatte ich schon mehrere. Letztes Jahr im August fiel ich in einem 16er-Feld, ich lag etwa an sechster Position. Meine Hand war fünfmal gebrochen, und ich hatte zwei OPs.

Der Unfall hat Sie offenbar nicht davon abgehalten, wieder aufzusteigen.

Ich bin sogar direkt danach wieder aufs Pferd. Der Adrenalinschub hat den Schmerz völlig übertüncht. Zum Arzt vor Ort musst du zwangsläufig nach einem Sturz, dem hab ich gesagt, es sei alles in Ordnung. Aber als beim nächsten Start aus der Box dann wieder richtig Druck auf die Hand kam, tat es höllisch weh. Da wusste ich, dass was passiert war.


Mein Motorrad hat 70 Pferdestärken. Macht Sie das neidisch?

Nein. Ich fahre auch gern schnelle Autos. Aber Pferde sind keine Maschinen, sondern Lebewesen. Man baut eine vertrauensvolle Bindung auf zu seinem Pferd, das Zusammenspiel von Mensch und Pferd ist etwas ganz Besonderes.

Ihr Vater schwärmt von Rennbahnen wie Dubai, dem britischen Ascot und Longchamps in Paris. Haben Sie auch schon eine Lieblingsbahn?

Meine größten Erfolge habe ich in Berlin gefeiert. Da gibt es Tribünen für die Schicken und für die normalen Leute. Und weil es dort immer voll ist, herrscht da eine großartige Atmosphäre. Wie Fußballern macht es auch Reitern umso mehr Spaß, je mehr Applaus sie bekommen.

Haben sie bei Rennen in Weidenpesch einen Heimvorteil?

Es ist sicher kein Nachteil, dort jeden Grashalm zu kennen. Mich kennen hier alle, seit ich ganz klein bin. Wenn die dann zuschauen, beflügelt einen das natürlich.

Sie haben dieses Jahr beim Oppenheim-Union-Rennen in Weidenpesch 70.000 Euro gewonnen. Was machen Sie damit?

(lacht) 70.000, das war der gesamte Topf. 40.000 davon gingen an den Sieger, aber der Anteil des Jockey daran liegt bei nur fünf Prozent. Zehn Prozent bekommt der Trainer, und der Rest geht an den Besitzer, der ja das komplette finanzielle Risiko trägt. Meinen Anteil hebe ich mir für das weitere Studium auf.

Sie studieren Sport-, Medien- und Eventmanagement. Mit welchem Ziel?

Genau, an der Fresenius-Hochschule im Mediapark. Ich würde gern meine Erfahrungen als Sportler und die vielen über die Jahre gemachten Kontakte nutzen, um weiter im Galoppsport zu arbeiten.

Die Arbeit im Stall fängt morgens um halb 6 an, habe ich mir sagen lassen. Und nebenbei machen Sie noch Ihren Master?

Als Student bin ich immerhin flexibler als noch in der Schule. Wenn eine Vorlesung vormittags ist, kann ich natürlich nicht in den Stall. Aber ich versuche, das alles passend zu legen.

Worauf müssen Sie im Vergleich zu Ihren Kommilitonen verzichten?

Der Sommer ist für uns Hochsaison, feiern gehen kann ich da nur sehr begrenzt. Im Winter kann ich auch mal vier Wochen Pause machen, in denen der Körper sich erholt. Sehr diszipliniert muss man außerdem beim Essen sein.

Essen Sie Rheinischen Sauerbraten?

Nee, das ist Kopfsache. Für die Inder sind Kühe heilige Tiere, die sie nicht essen. Und so geht mir das mit den Pferden.

Auf Ihrer Stallwebsite gelten Sie 2010 noch als "Teenager mit Babyspeck". Inzwischen sind Sie auf 1,74 Meter herangewachsen – eigentlich zu groß für einen Jockey.

Richtig. Deswegen will ich mir mit dem Studium ein zweites Standbein aufbauen. Jetzt bin ich, denke ich, gottseidank ausgewachsen.

Messi bekam Wachstumshormone, vielleicht hätte man Sie umgekehrt mit Kleinbleibhormonen behandeln können.

(lacht) Gut möglich, dass es so etwas in einigen anderen Ländern gibt. Aber bei uns käme glaube ich niemand auf so eine Idee.

Wären Sie denn wirklich lieber kleiner geblieben?

Ich habe mich das schon oft gefragt. Sechs Zentimeter weniger wären auch einige Kilo weniger. Aber Reiten ist ja nicht alles ...

Irgendwann steht man vor der Traumfrau und ist froh, den Kopf nicht in den Nacken knicken zu müssen.

Eben.

Zur Zeit ist Ihr Vater noch berühmter als Sie. Werden Sie ihn überholen?

(lacht) Die Messlatte liegt sehr hoch. Fünfmal Deutscher Meister der Jockeys, mehrfacher Champion der Trainer, insgesamt über 1.000 Rennen gewonnen: Da kommt man nicht so schnell ran.

Deutschlands wichtigstes Rennen, das Deutsche Derby in Hamburg, hat Peter Schiergen als Reiter nie gewonnen. Sie waren dieses Jahr unter den Favoriten. Woran hat es gehapert?

Daran, dass das Geläuf in einem sehr schlechten Zustand war. Das Derby ist immer das letzte Rennen nach sechs Renntagen. Mein Pferd Boscaccio ist damit leider nicht zurechtgekommen.

Reiten Sie immer dasselbe Pferd?

Nein, die Rennen gehen über verschiedene Distanzen, und jedes Pferd hat andere Qualitäten.

Mal unter uns: Ist es nicht unglaublich nervig, vom eigenen Vater trainiert zu werden?

In meinem Fall nicht. Aber sagen wir so: Zuhause stehen wir in einem anderen Verhältnis als bei der Arbeit mit den Pferden. Zu unserem Stall gehören viele Pferde, Reiter, Angestellte und Kunden. Da müssen wir professionell miteinander umgehen, und da gibt es dann auch schon einmal die ein oder andere Auseinandersetzung.

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Geschichten aus 1111 Nächten (67)

Dünnbiersuppe und Erleuchtung

Es war die Zeit von Anno, des bösesten aller Kölner Erzbischöfe. Anton hatte eine Kiste Wein aus dem Vorrat des Herrschers gestohlen und war dabei erwischt worden. Wie auf beinahe alle Vergehen stand seinerzeit auch auf dieses die Todesstrafe. Um sich den Anschein eines gerechten Herrschers zu geben, setzte der Erzbischof einen Triumvirat ein, das über den Tünnes richten sollte. Und niederträchtig, wie er war, bestimmte er ausgerechnet des Tünnes besten Freund Schäl in den Rat der Drei.
Der Schäl war verzweifelt. Was sollte er tun: seinen Kumpel opfern oder seine Achtung vor dem Recht? Denn dass der Anton gestohlen hatte, stand außer Zweifel.
Erzbischof Anno hatte auf dem Heumarkt bereits einen Galgen errichten lassen, denn das Urteil stand für ihn fest. Die letzte Nacht vor dem erwarteten Urteil verbrachte der arme Schäl schweißgebadet. Am Morgen jedoch, bei seiner üblichen Dünnbiersuppe, kam ihm die Erleuchtung.
Später auf dem Heumarkt hob er die Hand und stimmte für schuldig. Seine beiden Kollegen jedoch sprachen den Anton frei. Der Schäl hatte sie dazu überredet. Mit einer Kiste Rheinwein.

Gute Kumpels

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Mittwoch, 19. Oktober 2016

Kölner Gespräche (56): EX-FC-Spieler Matthias Hönerbach

Matthias Hönerbach wurde 1962 in Köln geboren und wuchs in Ossendorf, Merkenich und Rheinkassel auf. Er begann seine Fußball-Karriere in der Jugend von DJK Roland West, Wacker Merkenich und Bayer Leverkusen und spielte dann 1980 bis ´89 für den 1. FC Köln. In diese Zeit fielen u.a. der Pokalsieg 1983 und die Teilnahme am Finale des UEFA-Cups 1986. Mit dem Ende als Aktiver startete Hönerbach eine Trainerlaufbahn. Nach sieben Jahren als Chefcoach von Viktoria Köln wechselte er 2005 als Assistent von Thomas Schaaf nach Bremen. Weitere Stationen führten ihn mit Schaaf nach Frankfurt und Hannover. Seit der Entlassung von Schaafs Team im April ist er vereinslos. Matthias Hönerbach hat zwei Kinder und wohnt mit seiner Lebensgefährtin in Niehl.

Bevor das Gespräch auf dem Alter Markt beginnt, begrüßt er zunächst mal einen alten Bekannten in der Menge. Kein Wunder, denn Matthias Hönerbach, der ehemalige Verteidiger, steht für die letzte große Ära des 1. FC Köln.


Sie haben Ihre Teenagerzeit in Rheinkassel verbracht. Entwickelt man da ein besonderes Verhältnis zum Rhein?

Ja. Am Rhein bin ich mit unserem Hund spazieren gegangen, da habe ich mein Fitnessprogramm jenseits des Vereinstrainings absolviert. Und da war ich natürlich auch schonmal mit nem Schuss und habe ein bisschen rumgeknutscht. Wie das so ist als Jugendlicher.

Das komplette Fitnessprogramm offenbar.

Genau. (lacht)

Von Rheinkassel ist es geografisch näher nach Leverkusen als nach Müngersdorf.

Stimmt, aber das war nicht der Grund, warum ich mit 15 zu Bayer Leverkusen gegangen bin.

Sondern?

Die Jugendleitung des FC hat mir damals nicht zugesagt. In Leverkusen machte das der junge, schlanke Rainer Calmund. Und der wusste, wie es zu laufen hat.

Nämlich?

Calmund wollte da etwas aufbauen. Im ersten Jahr hat er mich zu jedem Training abgeholt und anschließend wieder nach Hause gebracht. Mit 16 hat er mich mit in Urlaub nach Amerika genommen, und regelmäßig vor der Saison organisierte er der Mannschaft ein Trainingslager in Spanien. Das war einfach ein Typ.

Das Gespräch findet im Corkonian, einem Irish Pub statt. Unsere Guinness kommen, das Interview wird kurz unterbrochen.

Die kompletten 80er haben Sie dann beim FC verbracht. In meiner Erinnerung standen Sie jedes Jahr in einem internationalen Wettbewerb. Welchen Ruf hatte der FC damals?

In Deutschland mit den besten, vergleichbar dem von Bayern und Dortmund heute. Der FC war am professionellsten aufgestellt, mit einer Top-Vereinsführungen, renommierten Trainern und Spielern und hervorragenden Rahmenbedingungen. Als ich 1981 anfing, standen in der Mannschaft ein gutes Dutzend in- und ausländische Nationalspieler.

1983 wurden Sie Pokalsieger gegen Fortuna Köln. Sportlich noch höher steht jedoch das Endspiel im UEFA-Cup 1986. Der Gegner damals hieß Real Madrid.

Der Weg dorthin war großartig, wir sind durchmarschiert durch diesen Wettbewerb und haben bis zum Finale nur ein einziges Spiel verloren (das Achtelfinal-Hinspiel bei Hammarby IF mit 1:2, Rückspiel in Müngersdorf: 3:1, B.I.).

Müngersdorf war eine Festung.

Man muss bedenken, dass die Stadien damals häufig ziemlich leer waren. Gegen Waldhof Mannheim hatten wir mal 7.500 Zuschauer, das war grausam. Aber im UEFA-Cup war die Hütte voll, da spielten wir in einer tollen Atmosphäre.

Was war die Ausgangslage vor dem Endspiel?

Real war natürlich klarer Favorit. Aber wir haben im Hinspiel in Madrid 1:0 geführt ...

... durch ein Tor von Klaus Allofs ...

... und standen sogar kurz vor dem zweiten Tor. Aber in den letzten fünf Minuten sind wir dann untergegangen und haben noch zwei Tore zum 1:5 kassiert.

Trotzdem war der Kuchen noch nicht gegessen, es gab ein Rückspiel.

Wegen Fanausschreitungen mussten wir auswärts spielen. Unser Trainer Georg Kessler meinte, mit seinem Namen mache er das Berliner Olympiastadion allein voll. Ein großer Fehler, letztlich haben wir in der riesigen Schüssel vor 16.000 Leutchen gespielt.

Was wäre die Alternative gewesen?

Hannover stand zur Auswahl und wäre besser gewesen. Das war damals eine fußballerische Diaspora, die nach so einem Match dürstete. Auch für die Kölner Fans wäre alles einfacher gewesen. Das Spiel fand immerhin an einem Dienstag statt, und wer nach Berlin wollte, musste damals noch durch die DDR.

Letztendlich gewann der FC das Rückspiel mit 2:0.

Real war damals auswärts ziemlich schwach. In Gladbach hatten sie 5:1 verloren und waren durch ein 4:0 zuhause weitergekommen. Ich bin mir sicher, in Köln hätten wir das Ding noch gedreht.

Toni Schumacher schrieb in seinem legendären Buch „Anpfiff“, die 80er-Truppe des FC sei auch jenseits des Platzes ein recht wilder Haufen gewesen. Können Sie das bestätigen?

Sagen wir mal so: Nikotin und Alkohol waren nicht so verpönt wie heute. Die fanden hin und wieder ihren Weg in den Mannschaftsbus.

Wie geht der Trainer Matthias Hönerbach mit Spielern um, die er zu spät beim Feiern erwischt?

Ich würde da nie was zu sagen, für mich ist die Leistung auf dem Platz entscheidend. Wenn sich einer mal bis zwei, drei Uhr vergnügt, aber am nächsten Morgen auf dem Trainingsplatz seine Leistung abliefert, dann ist das in Ordnung.

Eine sehr rheinische Einstellung. Inwiefern sind Sie heute noch dem 1. FC Köln verbunden?

Eigentlich nur über die FC-Altinternationalen, bei denen ich gern mitspiele, wenn ich Zeit habe. Im Stadion bin ich selten, und zu der heutigen Leitung und Mannschaft habe ich keinen Kontakt.

Den Bayern gelingt es besser, ihre Ehemaligen an den Verein zu binden.

Beim FC wird viel von Tradition gesprochen, aber schon bei der Traditionsmannschaft kommt das nicht an. Wolfgang Overath wurde immer Vetternwirtschaft vorgeworfen. Aber wenn ich die heutige FC-Angestelltenliste sehe, möchte ich gar nicht wissen, wie viele Jobs da durch Klüngelei vergeben wurden.

Beim FC läuft es derzeit ziemlich rund.

Der Erfolg gibt ihnen momentan recht.

Sie waren lange Cheftrainer, unter anderem bei Viktoria Köln, und wurden dann Assistent. Warum?

Nun ja, zum einen ist es sehr schwer, einen dieser 36 Profi-Chefjobs zu ergattern. Zum anderen habe ich mich über die Anfrage von Thomas Schaaf 2005 gefreut. Ich war freier Scouter beim FC, das war zwar interessant, aber hatte nichts mit dem Platz zu tun. Co-Trainer in Bremen war dann doch spannender als durch Polen zu reisen und Spiele zu gucken.

Was war Ihre Aufgabe bei Werder?

Thomas Schaaf war der Chef, der sagte, was er machen will, wo er die Schwerpunkte setzt. Und dementsprechend haben wir dann das Training gestaltet. Man unterstützt, bewertet und berät, aber letztlich bestimmte Thomas, wo es langgeht.

Mit Schaaf waren sie noch in Frankfurt und Hannover. Wie nennen Sie Ihren jetzigen beruflichen Status?

Ich bin arbeitslos, mit allem drum und dran. Als langjähriger Steuerzahler bekomme ich Arbeitslosengeld, und ich habe beim Arbeitsamt einen Betreuer.

Schickt der Sie durch die Gegend für Bewerbungen?

Nein, der Mann weiß schon, dass er mir keinen Job besorgen kann. da muss ich mich schon selbst umsehen. Wenn ich im Ausland bin, um etwa in Italien Spiele zu beobachten, kontaktiere ich ihn vorher.

Ist der italienische Fußballalltag anders als der deutsche?

Sehr unterschiedlich sind die Stadien. Wir haben in den 80ern auch in so mancher Bruchhütte gespielt. Aber viele italienische Stadien sind völlig heruntergkommen. Die sehen aus wie römische Ruinen.

Wären Sie gern wieder Cheftrainer?

Natürlich würde ich mich freuen, wieder irgendwo mit Thomas zu arbeiten. Aber in Phasen wie zur Zeit arbeite ich hauptsächlich daran, mir selbst etwas zu suchen.

Sie sind passionierter Golfer. Hat man da Spaß dran als Arbeitsloser?

Klar. (lacht) Das Leben geht ja immer weiter, jeder Tag fängt morgens an und hört abends auf. Jahrelang konnte ich meinem Hobby nicht so frönen. Aber jetzt bin ich mehrmals die Woche auf dem Golfplatz und nehme Einladungen zu Turnieren an, die ich früher alle absagen musste.

Ihr Handicap?

13,4, das ist so untere Mittelklasse. Wichtiger ist mir, mich mit meinen jeweiligen Mitspielern zu messen, Erster zu werden, die Wette um die absschließende Currywurst zu gewinnen. Ich bin auch beim Golf immer Sportler.

Was fasziniert Sie daran?

Was mit zuweilen fehlt ist, dass man beim Golf nicht mal so richtig einen weggrätschen kann. (lacht) Andererseits ist Golf ziemlich die einzige Sportart, die du alleine spielen kannst. Mit jeder Runde trete ich auch gegen mich selbst an. Außerdem bin ich Fußballer und dementsprechend gerne an der frischen Luft. Golf kann man auch im Regen oder auf gefrorenem Boden spielen. Und schließlich freue ich mich immer wie ein Kind, wenn ich dieses kleine Bällchen mit so wenig Schlägen wie möglich in das kleine Loch befördere.

Unterschlagen Sie auf dem Spielbogen schonmal einen Ball, der im Gebüsch oder auf dem Baum landete?

Letztendlich würde ich damit alle anderen und mich selbst betrügen. Das mag ich nicht und mache ich nicht.

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Coloniales (65)

„Un-fuckin´-believable“

Auf der Mauer am Rheinboulevard sitzt ein durchtätowierter junger Mann. Vor ihm im Kinderwagen nuckelt sein Baby an einer Flasche.
„Ist doch toll hier, gell, Tobi. Ich wüsste mal gern ob das da der Rhein oder der Main ist.“
Am Geländer stehen zwei Araber und knipsen Selfies mit der Deutzer Skyline im Hintergrund. Es ist elf Uhr, die Sonne steht bereits recht hoch. Zwei bullige Jungs mit schottischen Rugbytrikots haben sich eine Halbliterflasche Kölsch geholt.
„Stell dir das mal vor“, sagt der eine, „du bist mitten in einer europäischen Großstadt und bezahlst einen Euro siebzig für ein ganzes, eiskaltes Pint.“
„Un-fuckin´-believable“, stimmt der andere zu.
Verschiedene Führungen kreuzen den Gehweg. Die Führer tragen Standarten und sprechen in Headsets. Der tätowierte Depp füllt das Fläschchen nach und sagt: „Tobi, Kleiner, dann gehen wir nach her essen bei der Tante Elvira, und die sagt uns dann, wie der Fluss heißt.“

Ein Einheimischer in der Kölner Altstadt, ausnahmsweise


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