Donnerstag, 24. Juli 2014

Coloniales (41)

Die Ringe und ihre Namen

Die Kölner Ringstraße entstand ab 1881 im Rahmen einer Stadterweiterung, der die mittelalterliche Festungsmauer zum Opfer fiel. Geplant wurde sie von dem Architekten Josef Stübben. Die Namen der einzelnen Ringsabschnitte entsprechen weitgehend der Abfolge der deutschen Königs- und Kaisergeschlechter.



Ubierring*: Westgermanischer Stamm, von den römischen Stadtgründern ins Linksrheinische umgesiedelt
Karolingerring: Herrschergeschlecht von 843–911
Sachsenring: Herrschergeschlecht 919–1024**
Salierring: Herrschergeschlecht 1024–1106
Hohenstaufenring: Herrschergeschlecht 1138–1208 u. 1212–54
Habsburgerring: Herrschergeschlecht 1273–91, 1298–1308, 1314–30 u. 1438–1806
Hohenzollernring: Herrschergeschlecht 1871–1918
Kaiser-Wilhelm-Ring: Wilhelm I. und II. waren Hohenzollern-Kaiser.
Hansaring: Im Mittelalter gehörte Köln der Hanse an.
Theodor-Heuss-Ring***: Erster Bundespräsident der BRD


Unterteilt wurden die Ringe durch die Anlage verschiedener großer und kleiner Plätze. In der Reihenfolge von Süd nach Nord: Chlodwigplatz – Barbarossaplatz – Zülpicher Platz – Rudolfplatz – Friesenplatz – Ebertplatz (früher Platz am Deutschen Ring). Manche ihrer Namen kongruieren mit dem entsprechenden Ringabschnitt, andere sind geographisch bedingt.


* Ginge es tatsächlich um die Macht in der Stadt, müsste er „Römerring“ heißen.

** Die sächsische Dynastie läuft meist unter dem Namen „Ottonen“.

*** Hieß zunächst Deutscher Ring.




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Mittwoch, 16. Juli 2014

Deutsche Sprichwörter (2)

Bist du voll, so leg dich nieder

Der Bonner Philologe Karl Simrock (1802-76) edierte unter anderem eine umfangreiche Sammlung deutscher Sprichwörter. Hier die Wochenauswahl:

Je heiliger das Fest, desto geschäftiger der Teufel.

Hüte dich vor drei K: der Kanne, den Karten,dem Käthchen.

Die Pfarrer bauen den Acker Gottes und die Ärzte den Gottesacker.

Es gibt mehr alte Weintrinker als alte Ärzte.

Geschäftiger Currywurstteufel


Bist du voll, so leg dich nieder,
nach dem Schlafen saufe wieder:
So vertreibt ein Schwein das ander,
sprach der König Alexander.


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Dienstag, 8. Juli 2014


Interviews (26)

Heute: Alfred Biolek

Alfred Biolek wurde 1934 in Freistadt im heutigen Tschechien geboren. 1946 von dort vertrieben, beginnt er 1954 ein Jurastudium, das er 1963 erfolgreich abschließt. Im selben Jahr wird er Justitiar beim ZDF, moderiert jedoch schon bald vor der Kamera. Über die Bavaria in München kommt er Anfang der 1970er zum WDR nach Köln. Sein erster großer Fernseherfolg wird ab 1976 die Talkshow „Kölner Treff“, und spätestens ab den 80er Jahren ist Biolek in der deutschen Fernsehunterhaltung fest verankert. Sendungen wie „Bios Bahnhof“ „Bei Bio“, „Mensch Meier“ oder „Boulevard Bio“ laufen über Jahre. Auch die Kochsendung „Alfredissimo“ (1994-2006) wird ein Dauerbrenner.
Alfred Biolek lebt - nach einigen Jahren in Berlin - seit 2010 wieder im Belgischen Viertel.

Er ist nicht mehr ganz so agil wie früher - klar, der Mann wird 80. Aber wenn es um seine Themen geht - die Fernsehunterhaltung, das gute Essen - blüht er auf wie eh und je.

Irgendwo zwischen Gespräch und Interview ...


Warum sind Sie in den frühen 1970ern nach Köln gekommen?

Weil ich damals zum WDR gewechselt bin. Vorher war ich kurz beim ZDF und dann bei der Münchner Bavaria.

Hatten Sie eine Vorstellung von dieser Stadt?

Nein, überhaupt nicht. Aber letztlich war ich ja dann sehr lange und gern hier.

Sie gelten als Ästhet, Köln gilt als nicht gerade hübsch. Warum sind Sie geblieben?

Naja, ich habe immer für den WDR gearbeitet, und das ist nunmal ein Kölner Sender. Auch meine eigene Firma habe ich hier gegründet.

Ihre Kochshow „Alfredissimo“ hätten Sie auch in einer Berliner Studioküche drehen können.

Aber Köln gefiel mir zu gut. Hier gab es Orte wie das alte Senftöpfchen, in dem ich 1973 meine erste Talkshow „Wer kommt, kommt“ gemacht habe. Aus der entwickelte sich dann 1976 der „Kölner Treff“, den ich zusammen mit Dieter Thoma moderierte.

Bis 2010 haben Sie einige Jahre in Berlin verbracht. Wie kann man sich Ihr Leben dort vorstellen?

Um auch dort Menschen um mich zu haben, habe ich sie zu mir eingeladen und für sie gekocht. Das war oftmals ein großer Kreis von vielleicht 15 Leuten. Aber als ich neulich nochmal in Berlin war, da war das Schönste das Schild „Zug nach Köln“ (lacht). Meine echten Freunde leben in Köln, und dorthin bin ich dann nach meinem Treppensturz 2010 auch zurückgekehrt. Die Jahrzehnte hier haben mich mit der Stadt eng verbunden.

Können Sie mit diesen klassischen Kölner Symbolen - der Rhein, der Dom, der FC - etwas anfangen?

Nein. Den Dom und den Rhein finde ich schon schön, aber den FC? Ich weiß noch nicht einmal, ob man „Fußball“ mit F oder V schreibt. (lacht) Mich hat mal ein Freund gefragt, wie oft ich beim Fußball war. Nie, habe ich geantwortet, aber wie oft warst du in einer Oper?

Sie haben 1983 den Alten Wartesaal renovieren lassen. Um damit Geld zu verdienen oder um der Stadt ein historisches Gebäude zu bewahren?

Zum Geldverdienen schon mal gar nicht. Das war ein wunderschöner Raum, in dem ich ein ebenso schönes Lokal eröffnen wollte. Die Atmospähre dort, auch wegen der Lage direkt an Dom und Bahnhof, ist etwas ganz Besonderes.

Als ehemaliger Restaurantbesitzer und Moderator einer Kochsendung: Haben Sie eine Meinung zu Flönz, Himmel un Ääd oder Rheinischem Sauerbraten?

Nein, das interessiert mich nicht. Wenn diese Gerichte irgendwo auf den Tisch kommen, esse ich die wohl. Aber nicht bewusst. Und was Pferdefleisch betrifft: Das gab es auch mal in meinen Sendungen, aber eine echte Leidenschaft ist da bei mir nie erwacht.

Beim ZDF, noch in den 1960ern, hieß eine Sendung von Ihnen „Tipps für Autofahrer“. Sind Sie in der Werkstatt genauso gut wie in der Küche?

Überhaupt nicht. Die haben mir gesagt, ich soll das moderieren, also hab ich´s getan. Immerhin war das meine allererste Sendung, bis dahin hatte ich in der Rechtsabteilung gesessen.

Sie sind studierter Jurist, genau wie John Cleese, den Sie mit den Monty Pythons 1970 nach Deutschland geholt haben. Ein echter Coup, wie ich finde.

Die Bavaria hat mir damals alle Freiheiten gelassen. Du willst diese englischen Komiker nach Deutschland holen? - Okay, dann tu das! Damals wurden die Zuschauer noch per Telefon befragt und konnten zwischen +10 und -10 wählen. Die Montys landeten bei -7, und trotzdem haben wir noch eine zweite deutsche Show mit ihnen produziert.

Waren diese Jungs so lustig wie in ihren Sketchen?

Oh ja, und darüber hinaus sehr freundschaftlich. Eines Tages wollte ich mal meine Ruhe haben und nicht mit ihnen ausgehen in München. Aber abends schlugen dann kleine Steinchen an mein Fenster. Und unten standen die Montys und wollten nicht ohne mich auf Tour gehen.

Wie haben Sie diese Truppe eigentlich entdeckt?

Diese Frage ist mir schon sehr oft gestellt worden, aber es tut mir leid: Ich kann sie nicht beantworten. Ich weiß es einfach nicht, vielleicht habe ich mal in einem Londoner Hotel den Fernseher angemacht.

Wie kam es zum ersten Kontakt?

Ich habe mich an deren Büro gewandt. Zunächst hieß es: Nein, die wollen nicht aus England weg, aber wir können uns mal treffen. Damals gab es im BBC-Gebäude noch eine richtige Bar, und nach Unmengen Gin Tonic wurden wir uns schließlich einig.

Engländer halt ...

Der Mann von der Bavaria wollte später gar nicht glauben, dass ich diesen Deckel mit lediglich fünf Leuten gemacht hatte. Am Ende des Abends jedenfalls sagten die Montys: Wir kommen nicht nach Deutschland, aber wir kommen zu dir.

Sie wollten als Kind unter anderem Priester werden und sagen im Nachhinein, davon stecke noch manches in Ihnen. Was genau?

Heutzutage nichts mehr, ich gehe auch nicht mehr zu Gottesdiensten. Schon während des Studiums war das vorbei. Zunächst bin ich ja dann auf Jura umgeschwenkt, aber irgendwann vor dem zweiten Staatsexamen wurde mir klar: Ich muss auf die Bühne, ich will entertainen!

Priester sind auch Entertainer, da oben auf ihrer Kanzel.

Eine gewisse Nähe besteht, das will ich nicht leugnen.

Eigentlich haben Sie in Ihren Shows nie einfach nur Fragen gestellt, sondern stets eher Gespräche geführt. War das Konzept?

Ich habe tatsächlich keine Interviews geführt, sondern Gespräche! Im Interview leiert man seine Fragen herunter. Im Gespräch jedoch können Sie ein ganz anderes, tieferes Interesse an Ihrem Gegenüber entwickeln. Die Fragen stellt man dann aus dem Zusammenhang heraus und nicht nur, weil man sie vorbereitet hat.

Hat diese Gespräche Alfred Biolek geführt oder ein Moderator, in dessen Rolle Sie geschlüpft sind.

Das war immer ich selbst.

Sie unterscheiden in diesem Zusammenhang gern zwischen „offen“ und „öffentlich“, zwischen „privat“ und „persönlich“.

Persönlich bedeutet für mich, dass man solche Gespräche immer von der Person aus führt. Dieser Mensch, mit dem ich mich da unterhalte, interessiert mich. Interviews hingegen kann man auch mit Leuten führen, die einem weitgehend egal sind.

Rede ich jetzt gerade mit dem offenen oder dem öffentlichen Alfred Biolek?

Das kommt immer auf Ihre jeweilige Frage an. (lacht)

Neben dem Bildungsanspruch zeichneten sich Ihre Shows und Gespräche immer auch durch ein auffälliges soziales Engagement aus. Sie haben bei „Boulevard Bio“ zum Beispiel Obdachlose eingeladen.

Mich hat immer die Mischung gereizt. Dass man in einer Woche dem Dalai Lama oder Vladimir Putin gegenübersaß und in der nächsten einem aidskranken Kind oder einer Mutter, die eine Totgeburt hinter sich hatte, machte für mich die Stärke der Sendung aus.

Könnte man Shows wie „Bios Bahnhof“ oder „Bei Bio“ heute auch noch so bringen?

Weiß ich nicht. Aber ich kann Ihnen sagen: Das Fernsehen von heute ist nicht mehr meines! Wäre ich noch einmal jung, würde ich nicht wieder beim Fernsehen anfangen. Vielleicht würde ich´s eher Richtung Kino oder Theater versuchen ...

... oder als Priester ...

Naja, das dann doch nicht. Es ist gar nicht so, dass ich alles schlechter finde, was heute läuft. Aber ich passe dort nicht mehr hin.

Könnte man sagen: Es werden keine Gespräche mehr geführt, sondern nur noch Interviews?

Hm, ja, das vielleicht auch. Aber schauen Sie einmal: Meine Talk- genauso wie meine Kochshow waren immer die einzigen ihrer Art in der Woche. Heute gibt´s davon jeden Tag vier oder fünf - das ist eine völlig veränderte Fernsehwelt.

Sie haben auch ein paar Jahre an der Kölner Kunsthochschule für Medien gelehrt. Was haben sie den Studenten dort übers TV-Leben erzählt?

Ganz allgemein habe ich ihnen gesagt: Wie man Fernsehen macht, lernt ihr besser beim Sender als hier im Seminarraum. Aber wichtig ist die Haltung, mit der man an seine Arbeit herangeht. Ich habe versucht zu erklären, warum ich meine Sendungen so gemacht habe, wie sie dann waren.

Vermissen Sie, kurz vor dem 80. Geburtstag, Ihr altes Fernsehleben?

Nein. Aber sagen wir so: Wenn ich stattdessen 60 würde, wäre das vielleicht etwas anderes.

Mittwoch, 2. Juli 2014

Coloniales (46)

Dat Wasser vun Kölle es jot!

Der Slogan, inzwischen in aller Munde, stammt ursprünglich von einem Werbeplakat, mit dem die Kölner Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke (GEW, heute RheinEnergie) 1976 ihr Premiumprodukt anpriesen. Sieben Jahre später veröffentlichten die Bläck Fööss ihren gleichnamigen Gospelsong, der die titelgebende Behauptung mehr bezweifelte als stützte. Auszug:

„Ming Filme entwickel’ ich ovends em Rhing/ dat jeit janz jot, denn do es alles dren./ Och wemmer av un zo d’r Dönnschess han/ mer jläuven wigger dran: Dat Wasser vun Kölle es jot ...“

Die unterschiedlichen Positionen von Band und Behörde entsprechen der Verschiedenheit der Gewässer, von denen sie reden: Während der Rhein noch Anfang der 1980er als lebensfeindliche Kloake durch die Stadt floss, bescheinigen auch externe Wissenschaftler dem Kölner Grundwasser seit jeher hervorragende Qualitäten. Selbst der wasserkocherkillende Kalk dient nicht zuletzt dem Knochenaufbau und dem Stoffwechsel des Menschen.

Dat Wasser vun Kölle es nass


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Mittwoch, 25. Juni 2014

Deutsche Sprichwörter (1)

Weiber und Nussbäume

Der Bonner Philologe Karl Simrock (1802-76) edierte unter anderem eine umfangreiche Sammlung deutscher Sprichwörter. Hier die Wochenauswahl:

Armut ist keine Schande, aber ein leerer Sack steht nicht gut aufrecht.

Mancher hat ein weiteres Gewissen wie Franziskanerärmel.

Jedem das Seine, so hat der Teufel nichts.

Mit den Weibern ist´s wie mit Nussbäumen: Wenn man sie nicht schwingt, so tragen sie keine Früchte.

Errare humanum, sagte der Hahn und trat die Ente.

Auch eine Art Spruch

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Mittwoch, 18. Juni 2014

Interviews (29)

Heute: Der kölsche Spanier José Gayarre

José Gayarre wurde 1974 in Navarra/Spanien geboren. Er studierte Recht und Wirtschaft in Madrid und Bilbao. Sein Soziales Jahr absolvierte er in der Slums von Santo Domingo (Dominikanische Republik) als Lehrer. Ende 1999 kam er nach Deutschland und hat sich seitdem auf das Gebiet der Social Media Communication spezialisiert. Sehr erfolgreich wurde sein Internetportal Destino Alemania, mit dem er spanische Migranten bei der Integration in Deutschland und speziell in Köln unterstützt. Für diese Klientel geht auch einmal wöchentlich seine private Radiosendung „Funk Radio“ durch den Äther.
José Gayarre, der zudem als freier Spanien-Redakteur bei der Deutschen Welle arbeitet, wohnt im Griechenmarktviertel.

Großes Hallo im Café Sur am Martin-Luther-Platz: José Gayarre hat lange in der Südstadt gewohnt, und in diesem argentinischen - also spanischsprachigen - Café ist er bekannt wie ein bunter Hund. Ein guter Einstieg für ein Gespräch über seine zweite Heimat Köln.

Sie waren kürzlich in Barcelona, wie ist dort die Atmosphäre?

Die Demonstranten dort fordern eine unabhängige Republik Katalonien. Das ist ein bisschen unpassend, denn zur Zeit hat Spanien bekanntlich ganz andere Probleme.

Ist die Stimmung aggressiv?

Gottseidank noch nicht, so radikal wie die Basken damals sind die Katalanen nicht. Aber die Situation kann durchaus eskalieren.

"Wenn die Rosen erblühen in Malaga/ ist für uns unser Sommer der Liebe da" (Cindy & Bert): Das Café Sur im Morgengrauen

Wenn jemand angesichts dieser Umstände nach Deutschland auswandern will, kommen Sie ins Spiel.

Das stimmt. Unsere Website destinoalemania.com ist ein Portal für Spanier in Deutschland. Wir sammeln Informationen und geben sie weiter.

Was heißt das im Einzelnen?

Da geht es um ganz praktische Auskünfte zum Bleiberecht oder etwa zuletzt zur Europawahl. Wir bieten sogar für Deutsche Unternehmen eine Jobbörse, damit sie spanische Fachkräfte direkt rekrutieren können. Dafür gibt es inzwischen auch Redaktionen in Berlin, München, Hamburg und anderswo.

Was müssen Spanier vor allem lernen, wenn sie nach Deutschland kommen?

Zunächst einmal geht es um elementare Dinge wie die Wohnungssuche. Die soziale und kulturelle Integration steht hintan, also: Man sieht die Kölner feiern, aber was das Dreigestirn ist, versteht man erst viel später. Auch da hilft Destino Alemania weiter.

Kölner gehen um 7 einen trinken, Spanier erst um 11?

(lacht) Genau. Und die Deutschen sind tatsächlich pünktlicher. Auf und nach der Arbeit wiederum hängen spanische Kollegen viel enger zusammen, wie Freunde.

Und was wäre umgekehrt für einen Deutschen in Spanien wichtig?

Dass in Spanien alles ein bisschen anders funktioniert. Nicht schlechter oder besser, sondern anders. Oder zum Beispiel auch, dass Nordspanier reservierter als die im Süden sind. Im Süden ist man kontaktfreudiger, aber oft auch oberflächlicher. Ich sage immer, das Rheinland ist das Andalusien Deutschlands.

Welche Art Menschen holt sich bei Ihnen Informationen?

Wir nennen unser Konzept „Mobilität 2.0“. Das spielt aufs Internet an, aber auch darauf, dass Deutschland in den letzten Jahren die zweite Welle spanischer Einwanderung erlebt - nach den Gastarbeitern der 1960er. Die meisten Leute sind jung und Akademiker, aber es kommen auch viele Bauarbeiter, die seit dem Zusammenbruch des Gewerbes in Spanien keine Arbeit mehr finden.

Welchen Ruf hat Deutschland heutzutage in Spanien?

Einen gespaltenen. Die einen sehen Angela Merkel als Raubritterin, die Europa beherrschen will. Andererseits hat die deutsche Wirtschaft einen guten Ruf, hier findet man - eher als in Spanien - gute und anständig bezahlte Arbeit.

Jenseits vom Wirtschaftlichen - schätzt man Deutschland auch in sozialer oder kultureller Hinsicht?

Das entwickelt sich. Einige Sachen funktionieren hier einwandfrei, besser als in Spanien, und das schätzen wir sehr. Genauso, dass Kultur und Kunst hier großgeschrieben werden. Vor allem Berlin ist da in aller Munde. Und alle mögen die persönliche Freiheit, die hier erlebt werden kann. In Spanien hingegen sind die sozialen Regeln noch deutlich strenger.

Steht auch Köln in einem bestimmten Ruf?

Wir arbeiten daran! Vor kurzem erst war ich in einer spanischen Sendung eingeladen und habe ohne Ende Werbung für Köln gemacht. In unserem Film wurde gezeigt, wie lebhaft, wie mediterran es hier auf den Straßen, in den Cafés und Biergärten zugeht. Das ist für Spanier ein ziemlich neues Bild von Deutschland.

Sie haben im Marketing von BMW Spanien gearbeitet. Sind Sie deshalb nach Deutschland gekommen?

Nein, ich war ein überzeugter Europäer, wennfür mich auch nicht gerade Frankreich als direkter Nachbar und Rivale in Frage gekommen wäre. Eigentlich wollte ich zunächst nach Freiburg ziehen, weil ich dort schon einmal gewesen war.

Aber?

Meine Schwester meinte, vergiss es! Du musst nach Köln, da ist es noch viel schöner. Und sie hatte recht.

Wie haben Sie das festgestellt?

Wir sind hier im Sommer angekommen und haben Köln zunächst per Rad erkundet: am Rhein entlang, um den Aachener Weiher, durch den Volksgarten. Überall war Leben, einfach toll. Und die Deutschen hier fanden wir gar nicht so streng wie das Klischee von ihnen. Sondern meistens lustig und nett, aus José wurde immer schnell der „Jupp“.

Wie homogen ist die spanische Gemeinde in Köln?

Die alten, hier gebliebenen Gastarbeiter sind meistens recht konservativ. Die Jüngeren hingegen sehen sich als Europäer. Man gibt sich durchaus gern als Spanier zu erkennen, aber deshalb muss man nicht direkt mit den Kastagnetten klappern. Die lernen lieber kölsche Lieder in der Zeit.

Das „Spanien-Lied“ von den Bläck Fööss.

So etwas, genau. (lacht) 

"Jedes Jahr em Sommer jeit dat Spillche widder loss/ met Sack un Pack noh Spanien, weil et do jo nit vill koss" (Bläck Fööss): das Esquina am Severinskirchplatz






Köln hat kein Spanisches Kulturinstitut. Gibt es dennoch spanische Treffpunkte hier?

Soziale Netzwerke, so manche katholische Kirche und der Verein Köln-Barcelona zum zum Beispiel. Aber auch Bars wie das La Esquina am Severinskirchplatz sind beliebte Treffpunkte. Ich glaube, die Spanier hier empfinden sich noch nicht so stark als Gemeinde wie etwa die Iren. Auch wir von Destino Alemania arbeiten daran, sie in Köln sichtbarer zu machen.

Was hingegen existiert, sind spanische Restaurants. Sind die so spanisch wie die chinesischen chinesisch?

Das ist sehr unterschiedlich. Viele haben sich dem deutschen Geschmack sehr stark angepasst, oder sie kochen noch wie in den 1980ern. Einige wenige präsentieren moderne spanische Küche, aber was einem da schmeckt, muss man selbst herausfinden.

Deutsche Kulinarik auf spanischer Ferieninsel

Sie selbst sind aus Navarra, einer Region, um die sich das Baskenland und Restspanien streiten. Spürt man die starken regionalen Unterschiede Spaniens auch hier in Köln?

Das wird immer weniger. Als Auswanderer hat man andere Sorgen, da interessiert einen eher die lokale Politik der neuen Heimat. Wenn du einen Basken zwei Monate in ein kleines Dorf im Sauerland steckst, tanzt der Flamenco - aus Heimweh und obwohl der Tanz kein baskischer ist.

Sieht man die Basken in Spanien eher wie die Bayern, die Ostfriesen oder die Kölner hierzulande?

Ganz klar: Wie die Bayern! (lacht)

Wenn der FC nächstes Jahr in der Europaliga gegen Bilbao oder San Sebastian spielt: Für wen halten Sie?

Für den FC natürlich! Der gehört hier schließlich zur Religion. Wenn die dann irgendwann in der Champions League auf Barcelona treffen, muss ich allerdings überlegen.

Und wer wird Weltmeister?

Ganz schwierig zu beantworten. Deutschland hat gute Möglichkeiten, aber ich glaube nicht wirklich daran. Auch Spanien sehe ich nicht wieder vorne. Also wird es wohl Brasilien werden.




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Mittwoch, 11. Juni 2014

Geschichten aus 1111 Nächten (52)

999 Taler

Der schielende Jean hatte beim Skat in der Kneipe einen Batzen Geld verloren und obendrein zuviel getrunken. In der Nacht träumte er davon, wie ihm ein Fremder 999 Taler schenken wollte. Jean aber sagte:
„Gib mir 1.000, dann ist das eine runde Summe.“
Der geheimnisvolle Fremde weigerte sich, und Jean begann, ihn zu beknien:
„Bitte, verehrter, nobler Mann, so gebt mir doch um Himmels Willen einen einzigen Taler mehr.“
Immer weiter bettelte und jammerte und flennte der Jean, aber es half nichts. Als er aufwachte, blickte er in seine Hände: Sie waren leer. Er trank einen Liter Sprudelwasser, schüttelte den Kopf und wälzte sich auf die andere Seite. Und wären wir in seinem Zimmer gewesen, wir hätten ihn im Einschlafen murmeln gehört:
„Na gut, gib mir 999, du Blödmann.“

Ein glatter Preis

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