Mittwoch, 21. September 2016

Nenn mich nicht Johannes

Der dicke Oswald klemmte hinter der Luke seines Büdchens. Früher hatte er den Oberkörper hindurchzwängen und einen Blick nach draußen werfen können. Inzwischen zeigte ihm ein Spiegel an, wer von rechts kam. Denn aus der Richtung näherte sich die Kundschaft, dort lag das Obdachlosenasyl.
Joey kam von links.
Er schlug mit der flachen Hand auf die Theke, duckte sich durch die Luke und grinste breit. Oswald schreckte zurück, sein Hocker fiel um.
„Du bist wieder raus“, sagte Oswald.
Sein Blick war ängstlich und lauernd. Er versuchte, die rechte Hand in die Hosentasche zu stecken, fand jedoch den Eingang nicht. Stattdessen nestelte er an seinem Gürtel und zog die Hose schließlich hoch über seine schlaffe Wampe.
„Bin ich, Ossi. Und jetzt schließ die Hintertür auf, ich habe mit dir zu reden.“
Joey sah ihm geradewegs in die flackernden Augen. Oswald zögerte einen Moment und setzte zu einem Satz an: „Johannes, ich ...“
Joey fegte die Schale für das Wechselgeld vom Tresen. Sie drehte sich ein paar mal um ihre Achse und zerplatzte dann wie eine Tontaube auf dem Gehweg.
„Nenn mich nie wieder Johannes, du fettes Schwein. Nie wieder.“
Das Büdchen lag etwa eine Treppenstufe unter Bodenniveau. Genau in der Mitte, unter dem Kunststoffläufer, lag ein Kanalabfluss. Joey kannte ihn nur zu gut. Hier drinnen stank es nach Schweiß und Tabak. Auf einem Alublech in der Ecke lagen Wurst und Käse für die Brötchen, die Oswald neuerdings im Angebot hatte. Draußen rumpelte ein Gliederbus über die Bremsschwellen der engen Straße. Joey packte Oswald zur Begrüßung fest zwischen die Beine. Sehr fest. Der Dicke fiel auf die Knie, stöhnte, unterdrückte jedoch einen Schrei.
„Johannes ..., Joey.“
„Da wartet Kundschaft auf dich, Oswald.“
Joey wies zur Luke, hinter der ein Mann stand. Der kleine Säufer hielt ein Häufchen Münzen in der arthritisch verkrümmten Linken. Trotz der Nachmittagshitze trug er Hut und einen langen Wintermantel. Seine Bestellung kam unartikuliert über die rissigen Lippen, aber Oswald wusste, wie ihm zu helfen war. Der Mann empfing den Flachmann wie eine Hostie. Er betrachtete die in seinen offenen Händen liegende Flasche und schien kurz abzuwägen, ob er direkt hier den ersten Schluck nehmen sollte. Dann jedoch ließ er sie in die Tiefe seiner Manteltasche gleiten. Mit dem Stolz eines alten, lederhäutigen Indianers tippelte er von dannen.
„Ich brauche ein bisschen Geld, Oswald.“
„Da kann ich dir nun wirklich nicht helfen“, erwiderte der Büdchenmann patzig.
„Dann sollte vielleicht ich dir helfen, Fettsack: Wie oft hab ich dir hier drin einen gehobelt? Dreißig, vierzig Mal?“
„Das waren Deals, ich hab dich bezahlt dafür.“
„Du hast mir Lollies gegeben, Fettsack. Eine Tüte Gummibärchen oder Sauerstäbchen dafür, dass ich deinen widerlichen, stinkenden Schwanz in die Hand nehmen musste. Und zusehen, wie dein trostloses Zeug auf den Boden klatschte. Ich war sieben, und dann war ich acht, bevor wir in das andere Viertel zogen. Würden die Bullen mich wohl einen ebenbürtigen Vertragspartner nennen, wenn ich sie fragen würde?“
„Das ist doch alles lange her, Joey. Das ist ... Ich kann dir wirklich nichts geben, selbst wenn ich wollte.“
Durch Oswalds massigen Körper war ein Ruck gegangen, aber Joey stand schneller an der Kasse.
„Guten Morgen, junge Frau“, flötete er durch die Luke, „womit kann ich Ihnen dienen?“
„Oh“, sagte die alterslose Alkoholikerin mit dem blau- und schwarzgeschlagenen Gesicht, „hat Oswald jetzt eine Vertretung?“
„So ist es. Er arbeitet mich gerade ein, nicht wahr, Ossi. Wir kennen uns schon seit meiner frühesten Kindheit, wissen Sie.“
Die Frau verschwand mit einer Flasche Küppers. Joey zählte sich vom Packen mit den Zwanzigern 200 Euro ab. Dann wandte er sich zum Gehen.
„Komm besser nicht wieder, Joey. So wird es nicht weitergehen, ganz bestimmt nicht. Du hast manches verpasst, als du im Knast warst.“

Joey grinste nur, kickte vor dem Kiosk die Scherben ins Gebüsch und verschwand. Über die Annostraße ging er Richtung Altstadt. Vor dem Asyl stand eine Gruppe betrunkener Berber und schrie sich an. Ein Großmaul mit nikotingelbem Schnauzbart ballte die freie Faust, zitternd. Seine andere Hand umkrampfte die Bierpulle. Er sog so heftig daran, dass die Flasche überschäumte. Der alte Kerl mit Oswalds Flachmann saß an der Bushaltestelle, aufrecht, die Beine akurat nebeneinander. „Die gute Botteram“, monoton wiederholt, war alles, was Joey im Vorbeigehen aufschnappte. Von Osten, vom Rhein her war die Sonne über das Gelände der ehemaligen Schokoladenfabrik geklettert. Jetzt stand sie im Zenit und brannte sich in die Stadt ein.
Als Joey den Pausenhof der Kaiserin-Augusta-Schule erreichte, machte er kurz halt. Louisa von nebenan war nach der Grundschule dort hingewechselt. Auf das ehemalige Mädchengymnasium. Für Joey war so etwas nicht in Frage gekommen. Aufs Gymnasium gingen die, die schwer was vorhatten im Leben. Die, die eben da hingingen.
Einmal, als kleiner Junge, hatte er Louisa auf den Armen getragen, als King Kong und die weiße Frau. Mit 15, nach einem Straßenfest, hatte er sie angetrunken nach Hause begleitet. Und zum Abschied kurz an sich gedrückt. Es war Sommer, Louisa verschwitzt, Joey hatte das kaum ausgehalten. Als Louisa ihr Studium aufnahm, verkaufte Joey Dope für den MC. Als sie ihren Bachelor machte, landete er in Siegburg. An Mädchen hatte es ihm nie gemangelt. Aber das waren immer die Jessicas gewesen, nicht die Louisas.
Gegen Drei erreichte er den Alter Markt. Die Biergärten waren dicht besetzt. Geführte Gruppen streunten über den Platz, vom Kallendresser zum von Werth-Denkmal zum Platzjabbeck am Rathausturm. Joey unterschied englische, spanische und osteuropäische Stimmen. Die alte Apotheke, in der man als Supporter jede Art von Chemie bekommen hatte, war verschwunden. Dort verkaufte man jetzt Pralinen statt Pillen. Die Currywurstbude schräg gegenüber war einem Burgerbräter gewichen. Joey fühlte sich alt und wurde wütend. Also rempelte er einen dicken Mann mit umgehängter Kamera an. Der Mann stierte ihn an, sein Gesicht war dem Bersten nah. Aber Joeys Statur schien ihn zu beeindrucken, vielleicht auch seine bis hinunter zu den Fingerkuppen tätowierte Rechte. Jedenfalls trollte er sich wortlos. Joey ging es nun besser.
Er hatte Jenny eine Weile für die Jungs betreut. Hierhin und dorthin gefahren, zu Privatkunden, auf einschlägige Partys und in Clubs. Vor allem wenn er Jenny wieder abholte von solchen Nächten, floss sein Herz regelrecht über vor Liebe. Dieses blasse, abgekämpfte Mädchen da neben ihm im Benz. Diese Tapferkeit. Meistens schliefen sie danach nur eng umschlungen ein und sparten sich den Rest für den nächsten Morgen auf.
Die kleine Bäckerei brummte. Jenny trug eine weiße, sehr kurze Schürze. Ihre Füße steckten in bequemen Ledersandalen, die blau bemalte Zehen freigaben. Das blonde Haar hatte sie über den Ohren gerafft, es fiel auf die Schultern wie ein, tja, goldener Wasserfall.
„Nen Kaffee würd ich nehmen.“
„Johannes!“
Der kleine Schmetterling über ihrer linken Brust schien zu flattern. Aber warum?
„Wie geht´s dir, Jenny?“
„Das sollte ich besser dich fragen, Mann. Haben sie deinen zarten kleinen Arsch verschont im Knast?“
„Ich kenne die richtigen Leute, Jenny.“
„Wenn du dich da mal nicht vertust. Ich hab Jahre gebraucht, um die Schweine loszuwerden.“
Jenny hatte sich zu ihm heruntergebeugt und geflüstert. Eine Haarsträhne streifte seine Stirn. Das wird nichts mit Jenny, sagte er sich. Noch immer nicht.
„Denk nicht, ich freu mich darüber, dass du hier aufkreuzt.“
„Ich bleib nicht lange, Jenny. Hab Geschäfte zu erledigen und will nur nen Kaffee vorher.“
„Wo du deine Geschäfte erledigst, kann ich mir denken. Aber pass auf dich auf, Johannes. Fallen tote Tauben vom Himmel.“

Irgendwie war er trotz allem immer nur ihr kleiner Bruder geblieben. Wer seinen Körper verkauft hatte, war Gleichaltrigen offenbar um Jahre voraus. Selbst die Knastzeit hatte ihn nicht aufholen lassen. Die Art, wie sie mit ihm redete; wie sie ihn ansah, als sie den Kaffee vor ihn hinstellte: Das war Fürsorge. Es hätte ein verlogenes Drehbuch gebraucht, daran etwas zu ändern. Joey wusste nicht, ob er sich darüber freuen oder ärgern sollte.
Im Dom entzündete er eine Kerze. Erst danach fiel ihm ein, dass er nichts als die Rolle Zwanziger bei sich hatte. Jenny hatte kein Geld haben wollen für den Kaffee. Anstatt außen herum zu gehen, durchquerte er den Bahnhof. Von Gleis 10 fuhr in wenigen Minuten die S12 nach Siegburg, sagte die Anzeigetafel. Joey aß eine Wurst an einem der zahllosen Fressstände. Der Entschluss, in diese Kneipe im Eigelstein zu fallen, kam spontan. Das war ein spontaner Entschluss, sagte er sich. Ich trinke jetzt erstmal ein Bier, bevor ich zu Big George gehe.
In dem Lokal verloren sich ein paar heruntergekommene Männer. Bei jedem saß eine dunkelhäutige Frau. Alle waren klein hier, so kam es Joey jedenfalls vor. Die Frauen wie die Männer. Die holzvertäfelten Wände schmückten historische Aufnahmen des Viertels. Im Radio lief ein Oldie, Mrs. Applebee von David Garrick.
Hinter Joey trat ein weiterer Mann ein, kaum älter als 40, aber schwer ächzend auf seinen Stock gestützt. Er schlurfte an der Theke vorbei zu einem freien Spielautomaten und hievte sich auf den Hocker davor. Mit furchtbar dürren Händen kramte er in seinen Taschen nach einer Münze. Erst als die Teller rollten, hob er einen knochigen Zeigefinger gen Barfrau und spreizte den Daumen waagerecht ab: ein Bier und ein Korn.
Joey setzte sich auf einen freien Platz an der Theke und bestellte ein Kölsch. Der Mann auf dem Hocker links schien zu schlafen. Die kleine schwarze Frau löste sich von ihm und stellte sich zu Joey. Sie war nicht mehr ganz jung, ziemlich korpulent und deutlich überschminkt. Aber ihr Gesicht wirkte freundlich, und sie roch gut.
„Ich bin Nora“, sagte sie mit einer tiefheiseren Stimme. Ihr Tonfall klang seltsam. Erst später sollte Joey realisieren, dass sie keinen Akzent hatte, sondern Dialekt sprach.
„Und wer bist du, schöner junger Mann?“
Joey orderte zwei frische Kölsch. Der Alte mit dem Stock ließ sich vom Hocker helfen, um an der Theke einen Schein zu wechseln.
„Zeig mal deine Finger“, sagte Joey.
„Das kann man auch als Frage formulieren.“
„Entschuldigung.“
Vor der Tür ging eine Gruppe Jugendlicher vorbei. Sie feixten und besetzten die volle Breite des Bürgersteigs. Die sind so alt wie ich, als ich einfuhr, sagte sich Joey. Der Knast in Siebgurg war ein lausiger, von der Zeit überholter Bunker. Wer ein wenig Grips und Antrieb hatte, ging zum Sport, um ein bisschen mehr Zeit außerhalb der Zelle zu verbringen. Oder in die Gefängnisschreinerei, wo sie Vogelhäuschen bauten und in den Farben der Bundesligavereine bemalten.
Nach dem vierten Bier fragte Joey, ob sie mit 20 Euro für einen Handjob einverstanden sei.
„Ich hab´s schon für weniger gemacht, Junge“, antwortete Nora.
Sie gingen um die Ecke in ein unscheinbares Mietshaus, in dem sich Nora und ihre Kolleginnen ein Arbeitszimmer teilten. An der Decke über dem Bett klebte der obligatorische Spiegel. Über die Rückwand streckte sich ein fahnengroßes Tuch mit einem eingewebten, bunten Papagei. „Florida“, stand darunter. Auf dem nachttisch, neben dem Glas mit den Kondomen, stand ein kleiner Stoffgeißbock.
Von hier oben im vierten Stock wirkte das Treiben auf dem Eigelstein unwirklich verkleinert. Joey erinnerte der Anblick an ein Wimmelbuch. Für einen Moment legte sich ein Schatten über ihn, er wollte weg von hier. Aber als er sich auf dem Bett ausstreckte, merkte er schnell, wie sich sein Hosenlatz spannte.
„Was hast du nun vor, Junge?“ fragte Nora, als sie fertig waren.
Sie ging zum Becken und wusch sich die Hände.
„Ich werde mir Arbeit suchen“, sagte Joey.
Der Satz schien ein Echo zu haben, vor allem das Wort „Arbeit“ klang seltsam nach. Joey gefiel es. „Arbeit“, sagte er noch einmal.
An der Haustür trafen sie eine Kollegin von Nora, den Alten mit dem Krückstock am Arm. Joey fragte sich, ob es hier irgendwo einen Aufzug gab. Die Sonne war hinter die Häuser gekippt, aber die Hitze stand wie abgeriegelt zwischen den Mauern. Joey fühlte sich nun gewappnet für Big George. Jenny konnte ihn mal.

Im Knast war es ihm relativ gut gegangen. Der Club ließ niemanden allein, der für ihn gearbeitet hatte. Aber als Joey jetzt das Venn-Eck betrat, war irgend etwas anders.
Hinter der Theke stand Rosi, wie immer in ihren weißen, kniehohen Schaftstiefeln mit dem Pailettenring. Ihr Mann Günther saß im Thekeneck. Zwei Lakaien hingen an seinen Lippen. Günther raunte, wie immer, hinter vorgehaltener Hand. Sein Blick galt nicht seinen Zuhörern, sondern suchte stattdessen den Raum ab. Stets schien es um dicke Geschäfte, große Geheimnisse und sonstige Ungeheuerlichkeiten zu gehen, wenn Günther erzählte. Kein singender Fisch hätte lächerlicher wirken können.
Vielleicht bin ich es, der sich verändert hat, sagte sich Joey. Aber da hinten in der Ecke, der hinte dem Würfelbrett, das war Big George. Es gab kein Zurück mehr.
Big George würdigte Joey keines Blickes, bis er vor ihm stand. Er hob nicht den Kopf, als er sagte: „Wir haben schon gehört, dass du dich wieder in der Stadt rumtreibst, Kleiner.“
„Ich bin hier geboren, Big George.“
„Wir hatten den Wunsch geäußert, du mögest dich nach deiner Auszeit in Duisburg ansiedeln.“
Der große Georg war eine der führenden Figuren im Club. Angeblich hatte er ein paar Semester studiert, was auch immer. Er konnte Gedichte aufsagen und hatte für jede Situation ein historisches Zitat parat. Weil seine Bildung zudem deutlich sein Skrupel überstieg, brachte man Big George großen Respekt entgegen. Um nicht zu sagen, Angst.
„Ich möchte in Köln bleiben, George. Gib mir eine Aufgabe, und du wirst sehen, dass alles ist wie früher.“
„Nichts ist wie früher, Kleiner, sieh dich doch um. Kuck dir die beiden Figuren an, die sich an mein Würfelbrett schmieren. Der da heißt Frans, das ist wenigstens noch ein Belgier. Aber die Ratte da neben dir ist ein Mehmet. Irgendwann, Joey, wird´s hier nur noch Mehmets geben.“
Frans und Mehmet grinsten auf jene debile Art, die sie sich aus einschlägigen Filmen abgekuckt hatten.
„Dann wird der Kurfürst zur Teestube“, dozierte Big George weiter, „in Duisburg ist das längst an der Tagesordnung. Biersaufende Mehmets kannst du vergessen, das vertragen die nicht. In den Club kommen nur teetrinkende Türken. Und jetzt würfel endlich, du belgischer Bastard.“
Rita zwängte sich um die Theke und stellte ein Tablett mit Schnapsgläsern auf dem Tisch ab. Big George und Frans kippten ihre Sechsämter, Mehmets Shot war mit Ginger Ale gefüllt.
„Geht ja nicht an, dass der Kerl gar nichts säuft, wenn ich eine Lage bestelle.“
Bis zum Ende der Würfelrunde würde Big George kein weiteres Wort an Joey verschwenden. Also setzte er an den Tresen und bestellte ein Bier. Rita stellte das Glas vor ihn hin und tätschelte ihm mit ihren dickberingten Fingern die Wange.
„Schön, dich wieder zu sehen, Joey.“
Wenigstens sie schien es ernst zu meinen.
Vor dem Fenster zappelte ein Junkie vorbei. Ein junger Ausländer setzte zum zweiten Einparkversuch an, jemand applaudierte hämisch. Das Viertel ergraute. Die Menschen huschten nun mehr als sie gingen. Ritas Stimme wurde rauher. Irgendwann kam der Belgier zum Tresen und orderte eine weitere Runde Schnaps samt dem Ginger Ale. Joey registrierte mit einem Blick über die Schulter, dass Big George sich in das hinter dem Kicker liegende Sälchen verzog. Dort erledigte er unter anderem seine Telefonate. Als er an seinen Tisch zurückkehrte, winkte er Joey zu sich.
„Es gäb da was, Joey.“
Joey erhob sich. Inzwischen war er leicht betrunken und ärgerte sich darüber. In Siegburg hatte er zu den Teetrinkern gehört.
„Bei dem Kerl lagern wir die ein oder andere Ware zwischen. Relativ neu angeworben in der Zeit, als du weg warst. Konkret liegt nichts gegen ihn vor, aber unser Vertrauen hat der Herr noch lange nicht. Solche Jungs müssen wissen, was auf sie zukommen kann. Und wir denken, du könntest ihm das einmal eindrücklich vermitteln.“
„Gib mir die Adresse, und ich mache mich auf den Weg, George.“
Joeys Füße kribbelten in den halbhohen Lederstiefeln. Er wollte nichts lieber auf der Welt, als diesen Job erledigen.
Je dunkler es draußen wurde, desto greller schien das Licht im Venn-Eck. Rita drehte den Dimmer ein wenig herunter. Ihr Mann programmierte die nächsten Songs auf seinem Laptop.
„Ich mach jetzt Mendocino an“, sagte Günther, nun einmal laut und in den Raum hinein.
Kein Song lief häufiger hier, das war das Lieblingslied des raunenden Wirtes. Die älteren Members fielen ein. Mehmet und der haarige Frans schwiegen. „Ich fahre jeden Tag nach Mendocino“, sang Michael Holm.
Der Weg, den Big George ihm beschrieb, führte zu Oswalds Büdchen. Joey war ein schöner junger Mann. Als er sich erhob, hatte sich eine Zornesfalte in seine Stirn gegraben. Aber leider keine des Zweifels. Und so marschierte er los, Joey, mitten hinein in sein Unglück.


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Mittwoch, 14. September 2016


Kölner Gespräche (55): Der Schauspieler Dieter Bach

Dieter Bach wurde 1963 in Köln geboren und machte am Rodenkirchner Gymnasium sein Abitur. Nach einer Schauspielausbildung in Saarbrücken führte ihn seine Theaterlaufbahn u.a. nach Wien, Hamburg und Amsterdam. Anfang der 1990er war er vier Jahre im Ensemble des Kölner Schauspielhauses und zuletzt ebenso lange in Kassel engagiert. Seit 1996 tritt er zudem in zahlreichen Kino- und Fernsehproduktionen auf. Unter anderem übernahm er auch Rollen in Täglichen Serien, u.a. bei St. Angela, Marienhof, GZSZ und Hinter Gittern. Zur Zeit steht er im Grenzlandtheater Aachen mit dem bereits fürs Kino adaptierten Stück "Der Gott des Gemetzels" auf der Bühne.

Er ist von Aachen an den Alter Markt gekommen, weil er im dortigen Grenzlandtheater gerade auftritt. Immer dabei: seine Hündin Pria, die im sonnenbeschienenen Café auch sofort einen Napf voller Wasser bekommt.

In Ihrem Schauspielerprofil steht unter Dialekte: Kölsch. Wie gut beherrschen Sie Ihren Heimatdialekt noch?

Kütt drop aan. Wenn ich mal wieder in Köln bin, ist der Singsang schnell wieder da. Viel schwerer war, ihn für die Bühne loszuwerden. Auf der Schauspielschule war ich davon ausgegangen, ich spräche reinstes Hochdeutsch. Bis ich dann meinen ersten Schiller aufgesagt habe und der Regisseur mir das rheinische Singen verbat.

Können Sie das hier wiederholen: Kanalljevüjjelscheszüngelscheszüppschesdöppche.

Wat sähst de, Jung?

Das meint die Schüssel für eine Suppe aus Kanarienvogelzungen.

Dieter Bach lacht und wiederholt das Wort nach nochmaliger Ansage fehlerlos.

Sie sind in Köln-Weiß aufgewachsen. Ein beschauliches Viertel?

Als ich klein war, gab es dort ein paar Bauernhöfe und vielleicht zwanzig Häuser. Das war eine Kindheit auf dem Land, 500 Meter vom Rhein und dem Wald entfernt. Zur Zeit in Aachen fehlt mir der Rhein, Städte sollten einen Fluss haben. Als Kinder ließen wir Drachen steigen, machten Feuerchen und rösteten Kartoffeln. Und meine Straße hieß Am Wingert ...

... Am Weinberg also. Der Kölner Wein aus alter Zeit wurde auch der Suure Hungk genannt.

(lacht) Mit Recht wahrscheinlich. Das Klima ist der Hauptgrund dafür, dass ich inzwischen lieber in Berlin lebe. In Köln kann man den Sommer nur vom Wnter unterscheiden, weil die Bäume grün sind. In Berlin hingegen liebe ich das kontinantale Klima: die trockenen, leicht windigen Sommer und die knackig kalten Winter. Na gut, ein bisschen kürzer dürften die durchaus sein.

Aber als Rheinländer empfinden Sie sich noch immer?

Oh ja. Ich bin viel unterwegs, oft umgezogen. Aber meine kölsche Frohnatur schleppe ich überall hin mit, die öffnet mir viele Türen.

Wie äußert sich dieses Naturell? Fangen Sie sofort an zu singen, wenn mehr als zwei Leute zusammenstehen?

(lacht) Kann passieren. In Wien am Burgtheater habe ich mal Freunde besucht. Mit Maria Happel, die ja auch mal in Köln war, habe ich in der Kantine dort bis 4 in der Nacht Karnevalslieder gesungen. Ab halb 2 wollten sie uns rausschmeißen, aber irgendwann sang die ganze Kantine mit. "Des wiad a Nochspiel hobn", verabschiedete uns schließlich der arme Portier.

Trinken Sie eher Wein oder Bier?

Bier, aber kein Kölsch und erst Recht kein Berliner Bier. Sondern Weizen, finde ich lecker.

Sie haben Köln mit Anfang 20 verlassen. Warum?

Weil ich auf eine staatliche Schauspielschule wollte, die es in Köln nicht gibt. Damals gab es bundesweit acht davon. In der nächsten, in Bochum, bin ich mit Pauken und Trompeten durchgerasselt. Da wusste ich noch gar nicht, worauf es ankommt. Und so bin ich schließlich in Saarbrücken gelandet. Anfang der 1990er war ich dann nochmal vier Jahre am Kölner Schauspielhaus.

Haben Sie noch ein Standbein hier in Köln?

Inzwischen nicht mehr. Im letzten Herbst ist meine Tante gestorben, die ich immer mal wieder besucht hatte. Und seitdem bin ich, wenn überhaupt, nur zum Arbeiten hier.

Für wen halten Sie, wenn Hertha gegen den FC spielt?

Jenseits von Weltmeisterschaften interessiere ich mich überhaupt nicht für Fußball. Ich bin ein reiner Eventgucker, gern in Verbindung mit nem Weizenbier.

Welchen Ruf hatte das Kölner Theater in Ihrer Jugend?

Einen sehr guten. Meine ersten Besuche verbinde ich mit Jürgen Flimm, das war eine sehr erfolgreiche, fruchtbare Ära für Köln. Ein kölscher Jung im übrigen, der an Wieverfastelovend die dicke Trumm auspackte und sein Ensemble in Stimmung brachte.

Sie spielen hier und dort. Hat Köln als Theaterstadt noch eine überregionale Relevanz?

In der zweiten Hälfte der 1990er ging das irgendwann den Bach runter. Die Zeit von Karin Beier war dann wohl noch einmal spannend, aber gesehen habe ich da leider nichts. Insgesamt haben viele deutschen Schauspielhäuser nicht mehr die Strahlkraft früherer Tage. Weil überall gespart wird, bis der Arzt kommt.

Sie haben relativ wenig in der freien Szene agiert. Eine bewusste Entscheidung?

Sagen wir so: Ich wusste immer, dass ich mit meinem Job Geld verdienen wollte. Ich bin gerne Künstler, aber Künstler müssen nicht arm und unglücklich sein, um gute Kunst zu machen. Wobei natürlich zugleich klar ist, dass man nie wirklich zufrieden ist.

In Kassel waren sie festes Ensemblemitglied. Heißt das: Festgehalt, jeden Mittag ein veganes Süppchen in der Theaterkantine und zweimal die Woche Vorstellung?

Im Gegenteil, eine 40-Stunden-Woche ist für Theaterschauspieler völlig illusorisch. In meiner ersten Spielzeit hatte ich allein acht Premieren. Und Urlaub hat man zwar wie andere Berufstätige rund sechs Wochen, aber nehmen darf man die nur im Sommer, in der theaterfreien Zeit.

Sie haben in diversen Soaps mitgespielt, unter anderem in der Lindenstraße, bei Hinter Gittern und beim Marienhof. Was ist eine Soap?

Inzwischen benutzt man den Begriff kaum noch, weil er negativ besetzt ist. Solche "Täglichen Serien", wie wir sagen, sind in erster Linie zur Unterhaltung da.

Truffault wollte auch unterhalten.

Genau. Und auch Serien greifen immer wieder auch soziale Themen auf, denken Sie nur an die Lindenstraße: Migranten, Homosexuelle, Obdachlose undsoweiter. Ich denke, auch die Täglichen Serien haben dazu beigetragen, dass unsere Gesellschaft aufgeschlossener geworden ist. Demnächst wird sicher viel mit Flüchtlingen gedreht werden, ich habe gehört, es werden schon schauspielernde Syrer gesucht von den Produktionsfirmen.

Was ist der künstlerische Reiz bei den Täglichen Serien?

Derselbe wie am Theater: seine Rolle glaubhaft zu spielen. Beim Fernsehen wird zwar schneller als im Kino gedreht, aber mein Rollenprofil zuletzt für Gute Zeiten, Schlechte Zeiten muss ich dort genauso intensiv vorbereiten. Bei GZSZ haben wir neben dem Regisseur noch einen Coach, der die Zusammenarbeit enorm befördert.

Im Theater reagiert das Publikum direkt. Wie interagiert man im TV mit seinen Zuschauern?

Im Zeitalter der sozialen Medien ist das ja kein Problem mehr. Ich habe ein öffentliches Profil bei Facebook, über das ich die Menschen von meinen Aktivitäten unterrichte. Die Monate bei GZSZ brachten schnell 13.000 "Liker", aber das ließ ebenso schnell wieder nach, als ich ausstieg.

Ich like Sie nachher, dann ist´s wieder einer mehr.

(lacht) Ich bitte darum.

Wie kommt es, dass Sie in Serien so oft als Arzt besetzt werden?

Das überrascht mich selbst. Meistens spiele ich Ärzte, die irgendwelche Frauengeschichten haben. Anfangs war ich Ober-, zuletzt sogar Chefarzt. Und ich bin übrigens selten der nette Arzt.

Dafür sind Sie nicht blond genug.

Genau. In meiner ersten Serie "Alle zusammen" bei RTL2 habe ich permanent versucht, meinem Halbbruder die Frau auszuspannen.

Warum haben sie die feste Stelle in Kassel nach vier Jahren aufgegeben?

Weil am Theater nichts nebenbei geht.

Also haben Sie Ihre Theater- zugunsten der TV-Karriere hintangestellt?

Nicht ganz. Denn neben dem Fernsehen darf es auch ruhig mal wieder ein Kinofilm sein. (lacht)




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Mittwoch, 7. September 2016

Coloniales (64)


Joachim Gauck und Ich


Ich war bei Joachim Gauck eingeladen. Weil ich ein Buch über berühmte Deutsche aus 40.000 Jahren geschrieben habe, durfte ich einen Abend in der altehrwürdigen Villa Hammerschmidt zu Bonn verbringen. Es ging um eine „Musikalische Soiree zum Thema Heimat“. Insgesamt waren wir etwa 80 Leute, spontan erkannte ich Norbert Blüm, Rita Süssmuth, Henriette Reker und Peter Millowitsch. Als der Bundespräsident mit seiner Frau Daniela Schadt die Treppe hinunterschritt, forderte uns der Protokollchef dezent zum Aufstehen auf. Das imponierte mir. Nach einer bayrischen Experimentalcombo setzte sich Sebastian Krumbiegel an den Flügel. Der Mann ist Sänger der Prinzen, und er sang ein typisches Prinzenlied. Es ging um „die Liebenden“, die die Welt retten, und schwebte beinhart auf dem geistigen Niveau eines Sechsjährigen. Nach ihm trat die Band auf, die ich auf der Hinfahrt scherzhaft hier vermutet hatte. „Sollen wir wetten, da kommen auch die Höhner hin?“ hatte ich zu meiner Frau gesagt. Und da standen sie dann. Die Höhner dauergrinsten mit funkelnden Äuglein, wie das nur kölsche Karnevalsbands können. Nach den Bläck Fööss kommt für mich lange nichts, aber als letztes Lied spielten die Höhner „Hey Kölle“. Henriette Reker sang mit. Norbert Blüm und Rita Süssmuth gaben ihr Bestes, um wenigstens beim Refrain mitzuhalten. Und ich? – Sang auch mit, schöner Song. Für den Höhepunkt sorgte schließlich die Ex-DDR-Band Karat. Beim Finale mit „Über sieben Brücken musst du gehen“ versammelten sich sämtliche Musiker auf der Bühne. Arm in Arm mit den Bandleadern sangen auch Herr Gauck und Frau Schadt aus vollem Halse mit, schließlich ist das ein ikonografischer Freiheitssong der alten Ossis. Es war rührend, die Prinzen würden sagen: Gänsehautfeeling. Später auf der Terrasse wurde exquisite Fingerfood gereicht. In Erinnerung sind mit vor allem die Wachtelbrüstchen mit den Wachtelspiegeleiern obenauf. Ich redete ein wenig mit Peter Millowitsch, der sich jedoch bald zum Rauchen in den präsidialen Garten verdrückte. Danach schüttelte ich Henriette Reker die Hand. „Ihre Bücher habe ich schon oft verschenkt“, sagte die Oberbürgermeisterin, der Abend nahm Fahrt auf. Und dann, nach Weißwein, Rotwein und Sekt, wurde endlich das erste Tablett mit Kölsch herumgereicht. Ich glaube, ich schreibe noch so ein Buch.

Sebastian Krumbiegel (Die Prinzen), Joachim Gauck (Bundespräsident), Henning Krautmacher (Höhner) und Claudius Dreilich (Karat) in der Villa Hammerschmidt



www.emons-verlag.de/programm/111-deutsche-die-man-kennen-sollte



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Mittwoch, 31. August 2016

Geschichten aus 1111 Nächten (66)

Über das Tragen von jungen Frauen

Es war die Zeit, als Anton und sein Freund Jean sich in ein Kloster in der Eifel zurückgezogen hatten. Anfangs war es ihnen schwergefallen, der Stadt und ihren Verlockungen zu entsagen. Inzwischen jedoch hatten ihren Frieden gemacht mit der neuen Existenz zwischen Fasten, Beten und hin und wieder einem Schlückchen Wein. Eines Tages wurden sie von ihrem Oberen ins Dorf geschickt, Mehl für neue Oblaten zu besorgen. Tagelang hatte es geschüttet, die Straße war fürchterlich verschlammt. Kurz vor dem Dorf stand eine hübsche junge Frau am Wegesrand. Das Ende ihres langen Hippiekleides war bereits schlammbespritzt, ihre Espandrillos drohten zu versinken. Kurzerhand nahm der Tünnes die Frau auf den Arm und trug sie bis zum sicheren Bürgersteig. Die Frau bedankte sich freundlich, Schäl jedoch schüttelte den Kopf:
„Wir Mönche sollen uns den Weibsleuten doch nicht nähern“, tadelte er seinen Freund. „Und schon gar nicht den jungen hübschen. Wie konntest du das nur tun!“
Anton lächelte, als er erwiderte: „Ich habe die junge Frau dort auf dem Bürgersteig zurückgelassen. Du aber trägst sie noch immer.“

Kreuzgang der Kyllburger Stiftskirche

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Mittwoch, 24. August 2016

Thekentänzer (104)

Der Mann als Mann

Eigentlich wollte er nur raus,
um mal wieder
seine Tiefe auszuloten.

Also sprach er
diese Frau an, die ihn offenbar
ziemlich flach fand.

Selbstbewusster Cowboy

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Mittwoch, 17. August 2016

Geschichten aus 1111 Nächten (65)

Ein Kölsch, ein Korn

Die Taschen des armen Tünnes waren so leer wie ein Freibad im Winter. Also besann er sich auf seine alten Vagantentage, betrat ein fremdes Brauhaus und bestellte sich ein Gedeck aus Kölsch und Korn.
„Wo kommt Ihr her, guter Mann?“ fragte der Wirt.
„Ich bin ein Wandergesell“, anwortete Anton, „und habe die ganze Welt gesehen.“
„Oh, wie beneidenswert. Und was habt Ihr getrieben in der Welt?“
„Schabernack, wie du ihn dir nicht einmal vorstellen kannst, du Zapfnase.“
Der Wirt war neugierig geworden und forderte den Tünnes auf, ihm einen seiner Tricks zu verraten.
„Ich kann zum Beispiel höher springen als deine Kneipe hier“, behauptete Tünnes dreist.
„Wenn Euch das gelingt, sollt Ihr den ganzen weiteren Tag frei trinken dürfen.“
„Eine Woche“, forderte der Tünnes.
„Na gut“, antwortete der Wirt, „aber wenn Ihr verliert, schrubbt Ihr die Klos.“
Die gesamte Kneipe versammelte sich vor der Tür, ungläubiges Raunen ging durch die Reihen. Anton aber stelle sich in die Mitte des ihm bereiteten Kreises und sprang. Etwa eine Elle hoch.
Gelächter brandete auf, und der Wirt sprach: „Ich hole schonmal den Aufnehmer, diese Wette habt Ihr verloren.“
„Keineswegs“, sagte Anton mit Ruhe, „denn nun will ich sehen, wie hoch dein Haus springt.“
Der Wirt staunte für einen langen Moment. Dann ging ein Grinsen über sein Gesicht, denn auch er war ein Freund der findigen Sprache. Und Anton orderte: „Ein Kölsch, einen Korn, bitte.“

Obstler oder Gin tun´s natürlich auch


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Mittwoch, 10. August 2016

Thekentänzer (103)

Wo der Frosch die Locken hat

Alter Markt, 15 Uhr

Deutscher Tourist in irischem Pub: „One Lager from the barrel, please.“
Irischer Kellner: zapft.
Deutscher Tourist: „And what is that now?“
Irischer Kellner: „Kölsch, was denn sonst.“


Altstadt, 22 Uhr

40-jähriger Mann mit Hipster-Vollbart: „Weißt du, was der Unterschied zwischen Männern und Frauen ist?“
40-jähriger Mann im Anzug: „Sag an.“
40-jähriger Mann mit Hipster-Vollbart: „Frauen lästern untereinander über ihre Männer: dass sie nicht putzen, zu schnell kommen und zuviel saufen.“
40-jähriger Mann im Anzug: „Stimmt. Während Männer in Gegenwart ihrer Kumpels immer nur schwärmen von ihren Frauen.“
40-jähriger Mann mit Hipster-Vollbart: „Eben, Und sei es nur, um die anderen neidisch zu machen.“


"Tu mir noch ein Jäckchen."


Eigelstein, 2 Uhr morgens

Völlig fertige Frau: „Ich hab nur das hier.“
Kellner: „Das sind mal gerade 1,32, aber ich mach dir dafür ein Kölsch.“
Völlig fertige Frau: „Ich will aber nen Cognac.“
Kellner: „Nö.“
Völlig fertiger Mann, Geld beisteuernd: „Nun tu ihr schon das Jäckchen.“
Völlig fertige Frau, nach einer Pause: „Cool, dem haste aber gezeigt, wo der Frosch die Locken hat.“
Völlig fertiger Mann zum Kellner: „Glaub´s mir, einer schöneren Frau kann man in einer Kaschemme wie dieser kaum begegnen.“


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