Mittwoch, 17. Juli 2013

Der Grüne Terror, oder:

Erst wenn das letzte Bierfass alle ist, werden sie merken, dass Biomilch nicht bimmelt.

Auch ich habe sie irgendwann einmal gewählt, diese Grünen. Es gab das Baumsterben, die Atomkraft und die Mittelstreckenraketen, und man dachte, die Grünen seien die richtige Partei, um das zu regeln. Schon damals hatte ich allerdings den Eindruck, diesen Leuten geht es mehr ums Verbieten als ums Erlauben.
Jetzt haben uns die Grünen das Kneipen-Nichtrauchergesetz beschert. Eine profilneurotische Berufspolitikerin hat vier Jahre dafür gekämpft, jedes letzte Schlupfloch zu stopfen, und nun ist sie am Ziel. In meiner Stammkneipe auf der Weidengasse wirkt sich das neue Gesetz so aus, dass die Raucher nachts um 3 mit leeren Coladosen auf der Straße Fußball spielen und ihre Bierflaschen auf den schicken BMWs der türkischen Nachbarschaft abstellen. Wessen Freiheit durch dieses Gesetz nun geschützt wird, erschließt sich mir nicht. Aber die Freiheit des Nächsten ist halt oft die Unfreiheit des Übernächsten.
Wie man die Grünen inzwischen kennt, sind solche Verbote nur kleine Anläufe für den großen Sprung.
Soeben wurde die Promillegrenze für Fahrradfahrer herabgesetzt. Bald folgen werden das Tempolimit und die Helmpflicht für Radler - völlig falsche Signale, aber wichtige Schritte in Richtung genormte Gesellschaft. Denn selbstverständlich wird auch Alkohol früher oder später indiziert. Zunächst werden die Produzenten verpflichtet, Warnhinweise auf ihre Flaschen zu kleben. Danach wird Schnaps komplett verboten, und statt richtigem ist nur noch Dünnbier erlaubt. Hat die Gesellschaft dies erst einmal akzeptiert, folgt im Anschluss die totale Prohibition.
Mit diesem Erfolg im Rücken legen die Grünen, inzwischen mit absoluter Mehrheit regierend, erst richtig los.
Dickleibige zahlen höhere Krankenversicherungen und werden verpflichtet, so und so viel Kilos pro Jahr abzunehmen. Andernfalls wandern sie in ein Lager für Zwangsdiäten. Optischer Umeltschutz sozusagen, ganz dem grünen Dogma verpflichtet. Genauso wie den Fettleibigen ergeht es danach auch allen, die aus anderen Gründen nicht mehr voll am Arbeitsprozess teilnehmen können. Staatliche TV-Spots werben vor und nach der Tagesschau für den optimierten Körper - sicherlich werden sich bald auch Popbands und Dichter finden, die ins selbe Horn blasen. Denn staatliche Drangsalierung färbt auch aufs Sozialverhalten ab. Männer, die Frauen auf der Straße schief ansehen, wandern in den Knast. Aus Gründen der Gleichberechtigung gilt das natürlich auch für alle drei Frauen, die Männern hinterherpfeifen.
Um die avisierte Idealwelt zu fördern, werden Grünenghettos wie Prenzlauer oder Klettenberg bald eingezäunt und rund um die Uhr überwacht. Die dort herrschende Monokultur wird sich von solchen Zentren aus peu à peu ausbreiten, die Welt wird unterteilt in Gutmenschen und Schlechtmenschen. Außer Temma werden alle Supermarktketten verboten, Homöopathie ersetzt die klassische Medizin. Das Büdchen auf der Ecke verkauft nur noch Ökochips und linksgedrehte Gummibärchen, und wer „Barbara Steffens“ nicht ratzfatz rückwärts buchstabieren kann, wird mit Nikotin vergiftet.
Mit anderen Worten: Die Grünen haben sich zu einer fundamentalistischen Partei entwickelt. Das andere Adjektiv, das mir dazu einfällt, nehme ich (noch) nicht in den Mund.
Zu den nächsten Wahlen werde ich jedenfalls meinen dicken Edding mitnehmen und mal wieder ein schönes großes A auf den Bogen malen. Mit einem Kreis drum.


Erst wenn das letzte Bierfass alle ist, werden sie merken, dass Biomilch nicht bimmelt.



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1 Kommentar:

Rainer Beckers hat gesagt…

bisher war ich hier ein besseres Niveau gewohnt... und ich bin kein GRÜNEN Wähler.